Tagebuch Perureise. Tage 4 und 5

20.07.2026 | 40 Jahre Partnerschaft – Begegnung, Dankbarkeit und Aufbruch

Das Wochenende, die Tage 4 und 5 unserer Reise standen ganz im Zeichen des 40-jährigen Jubiläums der Peru Partnerschaft. Bei Begegnungen, Gesprächen und Gottesdiensten wurde die lebendige Verbundenheit zwischen Peru und Freiburg spürbar – zugleich erfolgte die Übergabe von Jürgen Huber an Pfarrer Tiberio Szeles, verbunden mit einem dankbaren Blick zurück und voller Zuversicht nach vorn.

Am Samstagvormittag kamen der peruanische Nationalrat der Partnerschaft und die Freiburger Delegation zu einem Arbeitstreffen in der deutschsprachigen Gemeinde San José in Lima zusammen. Im Mittelpunkt standen zwei Themen, die für den gemeinsamen Weg der Partnerschaft von Bedeutung sind: Synodalität und integrale Ökologie.

Wie können wir als Kirche wirklich miteinander unterwegs sein? Wie gelingt es, einander zuzuhören und gemeinsam Verantwortung zu übernehmen? Und was bedeutet die Sorge für unser gemeinsames Haus ganz konkret für die Partnerschaft zwischen Peru und Freiburg? In Gesprächen und Arbeitsgruppen wurden Erfahrungen aus beiden Ländern zusammengetragen und Perspektiven für die weitere Zusammenarbeit entwickelt.

Weihbischof Peter brachte dabei auf den Punkt, was eine lebendige Partnerschaft braucht: „Echte Kommunikation, echter Austausch schafft Communio.“
 
Eine Partnerschaft in ihrer ganzen Vielfalt
Am Nachmittag wurde diese Communio in der Pfarrei San Vicente de Paúl auf ganz andere Weise sichtbar und spürbar. Mit Musik und Tanz wurden die Gäste aus Freiburg empfangen.
 
Partnerschaftsgruppen aus den verschiedenen Regionen Perus hatten mit großem Engagement Stände vorbereitet. Dort präsentierten sie ihre Aktivitäten, Projekte und die vielfältigen Verbindungen zu ihren Partnergemeinden in der Erzdiözese Freiburg. 
 
Die Freiburger Delegation nahm sich Zeit, die einzelnen Stände zu besuchen, sich die Projekte vorstellen zu lassen und mit den Verantwortlichen ins Gespräch zu kommen. Dabei zeigte sich die ganze Vielfalt der Partnerschaftsarbeit: Die Präsentationen erzählten von gemeinsamen Projekten und Initiativen, von Begegnungen und gegenseitigen Besuchen, von sozialem, ökologischem und pastoralem Engagement und von vielen Ideen, die über die Jahre gemeinsam entwickelt und umgesetzt wurden. Zugleich wurde spürbar, mit wie viel Kreativität und persönlichem Einsatz die Partnerschaft in den einzelnen Regionen getragen wird.
 
Wie tief manche dieser Beziehungen reichen, zeigt das Beispiel von Thomas Schmidl aus der Freiburger Delegation. Seit 37 Jahren reist er immer wieder nach Peru und steht mit Menschen dort in Verbindung. Partnerschaft ist eben kein kurzfristiges Projekt. Sie wächst durch Treue, Verlässlichkeit und gemeinsam geteiltes Leben.

Erzbischof Stephan Burger erinnerte in seiner Ansprache daran, dass die Zahl 40 in der Bibel für Prüfung und Reifung, aber auch für Aufbruch und Neuanfang steht:
„Diese 40 Jahre Partnerschaft ermutigen uns, von Neuem anzufangen, Glaube, Hoffnung und Liebe gemeinsam zu leben.“
 
 
Gemeinsam feiern und Verantwortung weitergeben
Am Sonntagmorgen kamen die Teilnehmenden erneut in San Vicente de Paúl zusammen, um gemeinsam Gottesdienst zu feiern und für 40 Jahre Partnerschaft zu danken. Was in den Tagen zuvor in Gesprächen, Begegnungen und gemeinsamen Erinnerungen immer wieder spürbar geworden war, fand hier seinen geistlichen Ausdruck: die Dankbarkeit für vier Jahrzehnte der Verbundenheit zwischen Menschen und Gemeinden in Peru und Freiburg.
 
Dank für 37 Jahre im Dienst der Partnerschaft
Ein besonderer Moment der Jubiläumsfeier war die offizielle Verabschiedung von Jürgen Huber, der sein langjähriges Engagement für die Partnerschaft, zuletzt als Sekretär des peruanischen Consejo Nacional de la Partnerschaft, beendete. Mons. Jorge Izaguirre, Bischof von Chosica und Präsident dieses Nationalrates, Erzbischof Stephan Burger und Weihbischof Peter würdigten seinen langjährigen Einsatz und dankten ihm für sein Wirken.
 
Mons. Izaguirre erinnerte daran, dass Jürgen Huber über all die Jahre zahlreiche Projekte und Initiativen begleitet und die Entwicklung der Partnerschaft mitgestaltet hat. Vor allem habe er Brücken der Freundschaft, des Vertrauens und der Geschwisterlichkeit zwischen den Kirchen in Peru und Freiburg gebaut. Ebenso habe er dazu beigetragen, Laien stärker in die Partnerschaft einzubinden und neue Generationen für ein Engagement zu gewinnen.

Mit seiner Verabschiedung verband sich daher vor allem eines: der Dank für seinen kontinuierlichen Einsatz für die Partnerschaft und für die vielen Menschen, die sie auf beiden Seiten tragen.
 
Staffelübergabe und Blick nach vorne
Gleichzeitig begann an diesem Tag ein neues Kapitel: Pfarrer Tiberio Szeles übernahm von Jürgen Huber die Aufgabe des Sekretärs des Consejo Nacional. In seiner ersten offiziellen Ansprache in dieser neuen Funktion dankte er für das Vertrauen, das ihm entgegengebracht wird. Er machte zugleich deutlich, dass er sich der Verantwortung bewusst ist, die mit dieser Aufgabe verbunden ist, und dass er die Partnerschaft gemeinsam mit den vielen Engagierten in Peru und Freiburg weiterführen und stärken möchte.

Seine eigene Verbindung zur Partnerschaft reicht mehr als 30 Jahre zurück. Schon damals, so erinnerte er sich, habe er verstanden, dass es dabei um weit mehr gehe als um ein Kooperationsprojekt: um eine Freundschaft, die aus dem Evangelium heraus entstanden ist. Besonders dankte er Jürgen Huber, der ihn über viele Jahre begleitet und geprägt habe. Zugleich erinnerte er an all jene, die oft im Hintergrund dafür sorgen, dass die Partnerschaft in Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen lebendig bleibt.
 
Seine Worte richteten den Blick schließlich bewusst nach vorne. Das 40-jährige Jubiläum sei kein Schlusspunkt, sondern der Beginn einer neuen Etappe. Seine Einladung an alle, die diesen Weg mittragen: „Lasst uns gemeinsam die nächsten 50 Jahre der Partnerschaft bauen.“
 
Damit verbanden sich an diesem Nachmittag Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Partnerschaft auf besondere Weise. Menschen, die sie seit Jahrzehnten tragen, begegneten denen, die künftig Verantwortung übernehmen. Erinnerungen standen neben neuen Ideen, Dankbarkeit neben Aufbruch.
Schon bei der Gründung der Partnerschaft vor 40 Jahren war klar, dass echte Partnerschaft anspruchsvoller ist als bloße finanzielle Unterstützung. Vier Jahrzehnte später zeigt sich, wie sehr sich dieser Weg gelohnt hat. Denn dort, wo Menschen über Grenzen hinweg einander zuhören, voneinander lernen, Verantwortung teilen und gemeinsam hoffen, wird Weltkirche konkret und lebendig.
Oder, wie es an diesem Jubiläumstag formuliert wurde:
„Wo Gott ist, da ist Zukunft. Sie haben Zukunft. Wir haben Zukunft.“
  
Dorothée Kissel / Simone Valenzuela