Tagebuch Perureise 2026: Tag 3
18.07.2026 |
Im Zeichen des gemeinsamen Hauses: Freiburg und Peru verbinden Glauben und Verantwortung
Der Tag markierte zugleich eine Weiterentwicklung der Partnerschaft zwischen der Kirche in Peru und der Erzdiözese Freiburg. Diese wurde am 23. Februar 1986 im Freiburger Münster offiziell besiegelt. Inzwischen gehören zu ihr rund 90 Verbindungen zwischen Pfarreien sowie zahlreiche Kontakte von Schulen, Verbänden und Einzelpersonen. Aus einer anfänglich stark von finanzieller Unterstützung geprägten Beziehung ist in vier Jahrzehnten ein Netzwerk des gegenseitigen Lernens, des gemeinsamen Glaubens und geteilter Verantwortung gewachsen.
Die Erinnerung an die Opfer bleibt gegenwärtig
Der Ort der Unterzeichnung gab dem Treffen eine besondere Tiefe. Gastgeberin war die Comisión Episcopal de Acción Social, kurz CEAS, die Sozialkommission der Peruanischen Bischofskonferenz. CEAS versteht sich als kirchlicher Ort der Begleitung, des Zuhörens und der Vernetzung – besonders für arme, ausgegrenzte und verletzliche Menschen sowie für die bedrohte „Mutter Erde“. Die Kommission arbeitet mit den kirchlichen Jurisdiktionen des Landes und mit Menschenrechtsorganisationen zusammen.
„Den Schrei der Armen und den Schrei der Erde hören“
Bischof Jorge Enrique Izaguirre Rafael von Chosica, Präsident des Consejo Nacional der Peru-Partnerschaft, betonte, dass kirchliche Sozialpastoral immer beides brauche: gesellschaftliche Reflexion und konkretes Handeln. Papst Franziskus habe die Kirche neu gelehrt, den Schrei der Erde gemeinsam mit dem Schrei der Armen zu hören. Wo Menschen am Rand der Gesellschaft und indigene Völker um ein Leben in Würde rängen, müsse die Kirche an ihrer Seite stehen. Izaguirre verwies zugleich darauf, dass viele dieser Aufgaben nur durch die langjährige Unterstützung von Partnern wie der Erzdiözese Freiburg und Misereor möglich geworden seien. Seine Funktion als Präsident des peruanischen Partnerschaftsrates hat er seit Anfang 2025 inne.
Erzbischof Alfredo Vizcarra von Trujillo, zuvor Apostolischer Vikar von Jaén, stellte die integrale Perspektive von Laudato si’ in den Mittelpunkt. Die Sorge um das gemeinsame Haus umfasse letztlich das ganze Leben. Das Leben sei kein Besitz, über den Menschen nach Belieben verfügen könnten, sondern ein Geschenk für die gegenwärtige Generation ebenso wie für andere Menschen, kommende Generationen und alle Lebewesen. Diese Sicht sei weder rein technisch noch allein wirtschaftlich. Sie verlange einen Blick „vom Herzen her“ und widerspreche einer Logik, die Natur ausschließlich nach ihrem möglichen Gewinn bewerte. Vizcarra, der seit 2025 Erzbischof von Trujillo ist, gilt seit seiner Zeit in Jaén als engagierter Begleiter indigener Gemeinschaften und als Anwalt sozialer und ökologischer Gerechtigkeit.
Zwei Stimmen aus bedrohten Territorien
Dass es nicht abstrakt um „Umweltfragen“, sondern um Lebensmöglichkeiten konkreter Menschen geht, zeigten zwei Zeugnisse aus dem Norden Perus.
Seferina Justo Dupis, gehört dem indigenen Volk der Awajún an. Sie ist Vizepräsidentin der Vereinigung indigener Frauen Tuwish-Huampami im Amazonasgebiet nahe der Grenze zu Ecuador. Die Frauen ihrer Gemeinschaft haben sich in der Herstellung von Keramik, Gefäßen, Schmuck und Armbändern aus Samen weitergebildet. In einer Kultur, in der Frauen lange nur wenig öffentliche Mitsprache zugestanden worden sei, hätten sie begonnen, ihre Fähigkeiten, ihre Kreativität und ihr Wissen selbstbewusst einzubringen. Mit Unterstützung der Sozialpastoral von Jaén konnten sie ein Projekt aufbauen und erhielten einen Verkaufsstand auf einem Markt. Dort bieten sie ihre Erzeugnisse an und erwirtschaften eigenes Einkommen. Seferina Justo Dupis machte jedoch deutlich, dass solche Initiativen weiterhin Begleitung, Zugang zu Märkten und verlässliche Partner benötigten.
Eswin Noel Acha Santos, ist landwirtschaftlicher Fachtechniker aus der bäuerlichen Gemeinschaft Yanta, Mitarbeiter der Pfarrei Ayabaca und ein gewählter Verantwortlicher seiner Dorfgemeinschaft. Gemeinsam mit der Diözese Chulucanas arbeitet seine Gemeinschaft am ökologischen Kaffeeanbau und an der Pflanzung von Obstbäumen. Das Ziel besteht nicht allein darin, Rohkaffee zu verkaufen. Die Bohnen sollen möglichst vor Ort weiterverarbeitet werden, damit ein größerer Teil der Wertschöpfung bei den Familien bleibt. Dahinter steht auch der Widerstand gegen Bergbauvorhaben, die landwirtschaftlich genutztes Land bedrohen. Nur wenn die Landwirtschaft den Familien ein verlässliches Einkommen ermögliche, könne sie eine wirkliche Alternative zur Abtretung des Landes bilden. Erzbischof Alfredo Vizcarra sprach in diesem Zusammenhang von einem bedrohten Gebiet von mehr als 10.000 Hektar. Kupferhaltiger Staub könne sich auf Böden und Pflanzen ablagern und damit die Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte unmöglich machen.
Unterschiedliche Erfahrungen, gemeinsame Verantwortung
Aus Peru werden die Folgen des legalen und illegalen Bergbaus, der Erdölförderung und von Monokulturen genannt: verschmutztes Wasser, zerstörte Lebensräume und politische Entscheidungen, an denen die betroffene Bevölkerung kaum beteiligt wird. Hinzu kommen Gewalt gegen Frauen, Menschenhandel, Erpressung, soziale Unsicherheit und eine unzureichende Gesundheitsversorgung. Die Klimakrise verschärfe diese Ungleichheiten und treffe besonders bäuerliche und indigene Gemeinschaften, Fischer sowie Menschen in gefährdeten Flussregionen.
Die deutschen Teilnehmenden bringen andere, aber ebenfalls miteinander verbundene soziale und ökologische Erfahrungen ein. Genannt werden Einsamkeit und zunehmender Individualismus, Wohnungsnot und steigende Mieten sowie die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. Wirtschaftliche Unsicherheit könne gesellschaftliche Spannungen verschärfen und dazu führen, dass Migrantinnen und Migranten zu Sündenböcken gemacht würden. Zugleich seien die Folgen der Klimakrise auch in Deutschland längst wahrnehmbar: durch geschädigte Wälder, längere Trockenperioden, regional knapper werdendes Wasser und zeitweise niedrige Wasserstände von Flüssen und Seen. Landwirtschaft und Gesundheit seien ebenfalls betroffen – auch wenn Menschen in anderen Weltregionen diesen Veränderungen häufig früher und in wesentlich existenziellerer Weise ausgesetzt seien.
Die Situationen in Peru und Deutschland sind weder gleich noch unmittelbar vergleichbar. In den Gesprächen wird jedoch deutlich, dass soziale Ungleichheit und ökologische Krisen in beiden Ländern zusammenwirken. Menschen mit geringem Einkommen und wenigen politischen Einflussmöglichkeiten tragen die Folgen meist stärker. Zugleich bestehen globale wirtschaftliche Verbindungen: Rohstoffe aus Peru werden auch für Produkte und Infrastruktur in Europa benötigt. Konsum und wirtschaftliche Entscheidungen im Globalen Norden können deshalb konkrete Auswirkungen auf Menschen und Lebensräume im Globalen Süden haben.
Als gemeinsame Aufgaben nennen die Gruppen Bildungsarbeit, internationale Zusammenarbeit, politische Interessenvertretung und die Unterstützung bestehender Initiativen. In Deutschland müsse neben den sozialen Herausforderungen auch der eigene Ressourcenverbrauch in den Blick kommen. Zugleich dürfe nicht nur über indigene und bäuerliche Gemeinschaften gesprochen werden. Ihre Vertreterinnen und Vertreter müssten selbst an Beratungen und Entscheidungen beteiligt sein. Die Partnerschaft könne so soziale und ökologische Fragen zusammenführen, ohne die unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten in Peru und Deutschland gleichzusetzen.
Vom Austausch zum gemeinsamen Handeln
Genau an diesem Punkt setzt die am Mittag unterzeichnete Verpflichtungserklärung an. Sie überführt die Erfahrungen aus den Territorien und die Ergebnisse der Gespräche in drei miteinander verbundene Ziele.
„Viele Tropfen kühlen den heißen Stein“
Erzbischof Stephan erinnerte bei dem Treffen an seinen ersten Besuch in Peru vor elf Jahren. Die Gastfreundschaft und Herzlichkeit, die er bei jeder Reise erfahre, zeigten, was es bedeute, Mitmenschlichkeit zu pflegen. Umso schmerzlicher sei die Begegnung mit der Geschichte der Gewalt.
Er erinnerte an eine Reise mit dem damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck und an dessen Wort aus dem Johannesevangelium: „Die Wahrheit wird euch frei machen.“ Dieser Satz sei ihm im Gedächtnis geblieben. Er bedeute nicht nur, vergangenes Unrecht aufzuarbeiten. Er fordere ebenso dazu heraus, sich der Wahrheit der Gegenwart zu stellen, Ungerechtigkeit beim Namen zu nennen und das Leiden von Menschen nicht zu verdrängen.
Eine Unterschrift „mit dem Herzen“
Vor der Unterzeichnung wurde eine Kerze als Zeichen der Gegenwart Gottes entzündet. Für die Erzdiözese Freiburg unterzeichneten Erzbischof Stephan und Dr. Sabine Philipp-Sattel. Es folgten Bischöfe und Verantwortliche der Sozialpastoral aus den beteiligten peruanischen Ortskirchen. Die Tagesordnung sah vor, nicht allein die kirchlichen Amtsträger, sondern ausdrücklich auch leitende Laien in die Unterzeichnung einzubeziehen.
EUCHARISTIEFEIER IN DER KATHEDRALE VON LIMA
Gegen die Herrschaft des Geldes
Deutlich kritisierte Kardinal Castillo einen Katholizismus, der sich auf einen Katalog erlaubter und verbotener Handlungen reduziere und dadurch seine Kreativität verliere. Das Evangelium rufe nicht zu Ängstlichkeit, sondern zu einer verantworteten Freiheit und zur schöpferischen Liebe.
Zugespitzt erinnerte er daran, dass Jesus nicht Gott und den Teufel, sondern Gott und den Mammon einander gegenübergestellt habe. In einer Welt, in der Geld immer stärker zum Prinzip der Existenz werde, drohten Menschen, Kulturen und Lebensweisen nur noch nach ihrem wirtschaftlichen Nutzen beurteilt zu werden.
Geld mache alles vergleichbar, sagte Kardinal Castillo. Es vereinheitliche, globalisiere und dränge Verschiedenheit zurück. Die Kirche dagegen lebe aus einer Einheit, die keine Uniformität sei. Eucharistie, Sakramente und das gemeinsame Bekenntnis verbänden die Gläubigen. Ihr Reichtum bestehe jedoch ebenso in unterschiedlichen Kulturen, Sprachen, Erfahrungen und Ausdrucksformen.
„Die Herzenssprache habe ich gelernt“
Am Ende der Eucharistiefeier dankte Erzbischof Stephan für die gemeinsame Feier und für alles, was in 40 Jahren Partnerschaft gewachsen ist. Als die Partnerschaft 1986 offiziell begründet wurde, sei er selbst als Seminarist dabei gewesen. Damals habe er sich weder vorstellen können, was aus der Verbindung mit Peru entstehen würde, noch, dass er eines Tages als Erzbischof Stephan ein solches Jubiläum mitfeiern werde.
Beim anschließenden Empfang stießen mehr als 80 Gäste auf die Partnerschaft an. Am Ende dieses Tages stand damit ein neuer Auftrag: Die Freundschaft zwischen Freiburg und Peru soll dort wirksam werden, wo das Leben bedroht ist: in den Territorien indigener Völker, auf den Feldern der Campesinos, in den von Rohstoffabbau betroffenen Gemeinden und ebenso in den gesellschaftlichen Konflikten Deutschlands. Die Partnerschaft will nicht nur an eine 40-jährige Geschichte erinnern. Sie will Zukunft ermöglichen.
Mit einer Verpflichtungserklärung für den Schutz der Schöpfung, der Menschenwürde und der Menschenrechte haben die Erzdiözese Freiburg und vier peruanische Ortskirchen ihrer 40-jährigen Partnerschaft eine neue, politische und pastorale Dimension gegeben.
LIMA. Es war mehr als ein feierlicher Unterschriftstermin. Als Vertreterinnen und Vertreter der Erzdiözese Freiburg, der Erzdiözese Trujillo, der Diözesen Chulucanas und Chachapoyas sowie des Apostolischen Vikariats Jaén am Freitag, 17. Juli, in Lima ihre Verpflichtungserklärung unterzeichneten, gaben sie einer gemeinsamen Überzeugung eine verbindliche Form: Der Einsatz für die Bewahrung des gemeinsamen Hauses lässt sich nicht von der Verteidigung der Menschenwürde und der Menschenrechte trennen.
Die Vereinbarung trägt den spanischen Leitgedanken „Hermandad por la tierra y los pueblos“, auf Deutsch etwa: „Verbundenheit mit der Erde und den Völkern“. Sie soll die bisherige Zusammenarbeit stärker vernetzen und gemeinsame Initiativen ermöglichen – insbesondere zum Schutz indigener Gemeinschaften und ihrer Territorien, zur Begleitung bäuerlicher Gemeinschaften sowie angesichts der sozialen und ökologischen Folgen von Bergbau, Klimakrise und wachsender Ungleichheit.
Die Vereinbarung trägt den spanischen Leitgedanken „Hermandad por la tierra y los pueblos“, auf Deutsch etwa: „Verbundenheit mit der Erde und den Völkern“. Sie soll die bisherige Zusammenarbeit stärker vernetzen und gemeinsame Initiativen ermöglichen – insbesondere zum Schutz indigener Gemeinschaften und ihrer Territorien, zur Begleitung bäuerlicher Gemeinschaften sowie angesichts der sozialen und ökologischen Folgen von Bergbau, Klimakrise und wachsender Ungleichheit.
Der Tag markierte zugleich eine Weiterentwicklung der Partnerschaft zwischen der Kirche in Peru und der Erzdiözese Freiburg. Diese wurde am 23. Februar 1986 im Freiburger Münster offiziell besiegelt. Inzwischen gehören zu ihr rund 90 Verbindungen zwischen Pfarreien sowie zahlreiche Kontakte von Schulen, Verbänden und Einzelpersonen. Aus einer anfänglich stark von finanzieller Unterstützung geprägten Beziehung ist in vier Jahrzehnten ein Netzwerk des gegenseitigen Lernens, des gemeinsamen Glaubens und geteilter Verantwortung gewachsen.
Die Erinnerung an die Opfer bleibt gegenwärtig
Der Ort der Unterzeichnung gab dem Treffen eine besondere Tiefe. Gastgeberin war die Comisión Episcopal de Acción Social, kurz CEAS, die Sozialkommission der Peruanischen Bischofskonferenz. CEAS versteht sich als kirchlicher Ort der Begleitung, des Zuhörens und der Vernetzung – besonders für arme, ausgegrenzte und verletzliche Menschen sowie für die bedrohte „Mutter Erde“. Die Kommission arbeitet mit den kirchlichen Jurisdiktionen des Landes und mit Menschenrechtsorganisationen zusammen.
Zu Beginn verwies Silvia Alayo auf eine Mauer, die vom Tagungsraum aus zu sehen war. Auf ihr stehen nach ihren Angaben mehr als tausend Namen von Menschen, die während des bewaffneten internen Konflikts in Peru getötet wurden oder verschwanden. Viele weitere Namen fehlten noch. CEAS habe Opfer und Angehörige begleitet und dazu beigetragen, dass ihre Geschichten nicht vergessen würden – auch mit Unterstützung aus Freiburg.
An diesem Morgen, sagte Alayo sinngemäß, gehe es um andere Schreie, aber wiederum um Schreie nach Gerechtigkeit: um den Schrei der Erde und den Schrei der Armen. Damit stellte sie das neue Abkommen bewusst in die Geschichte einer Kirche, die Erinnerung nicht als Rückblick versteht, sondern als Auftrag für die Gegenwart.
„Den Schrei der Armen und den Schrei der Erde hören“
Bischof Jorge Enrique Izaguirre Rafael von Chosica, Präsident des Consejo Nacional der Peru-Partnerschaft, betonte, dass kirchliche Sozialpastoral immer beides brauche: gesellschaftliche Reflexion und konkretes Handeln. Papst Franziskus habe die Kirche neu gelehrt, den Schrei der Erde gemeinsam mit dem Schrei der Armen zu hören. Wo Menschen am Rand der Gesellschaft und indigene Völker um ein Leben in Würde rängen, müsse die Kirche an ihrer Seite stehen. Izaguirre verwies zugleich darauf, dass viele dieser Aufgaben nur durch die langjährige Unterstützung von Partnern wie der Erzdiözese Freiburg und Misereor möglich geworden seien. Seine Funktion als Präsident des peruanischen Partnerschaftsrates hat er seit Anfang 2025 inne.
Erzbischof Alfredo Vizcarra von Trujillo, zuvor Apostolischer Vikar von Jaén, stellte die integrale Perspektive von Laudato si’ in den Mittelpunkt. Die Sorge um das gemeinsame Haus umfasse letztlich das ganze Leben. Das Leben sei kein Besitz, über den Menschen nach Belieben verfügen könnten, sondern ein Geschenk für die gegenwärtige Generation ebenso wie für andere Menschen, kommende Generationen und alle Lebewesen. Diese Sicht sei weder rein technisch noch allein wirtschaftlich. Sie verlange einen Blick „vom Herzen her“ und widerspreche einer Logik, die Natur ausschließlich nach ihrem möglichen Gewinn bewerte. Vizcarra, der seit 2025 Erzbischof von Trujillo ist, gilt seit seiner Zeit in Jaén als engagierter Begleiter indigener Gemeinschaften und als Anwalt sozialer und ökologischer Gerechtigkeit.
Bemerkenswert sei, erklärte er, dass der Impuls für die neue Zusammenarbeit nicht zunächst aus kirchlichen Verwaltungen gekommen sei. Bäuerliche Organisationen und Gemeinschaften hätten ihre Bischöfe zusammengerufen und um Unterstützung bei der Verteidigung ihres Landes gebeten. In mehreren Diözesen und Vikariaten gebe es bereits Initiativen zur Begleitung indigener Völker und der Campesinos. Die neue Vereinbarung solle diese bislang teilweise getrennten Erfahrungen zusammenführen.
Gerade in einem Land, das von politischer Polarisierung, Misstrauen und konkurrierenden Gruppeninteressen geprägt sei, werde Vernetzung selbst zu einem Zeichen. Zusammenarbeit bedeute, nicht nur den Vorteil der eigenen Institution oder Region zu suchen, sondern das Wohl aller in den Blick zu nehmen.
Gerade in einem Land, das von politischer Polarisierung, Misstrauen und konkurrierenden Gruppeninteressen geprägt sei, werde Vernetzung selbst zu einem Zeichen. Zusammenarbeit bedeute, nicht nur den Vorteil der eigenen Institution oder Region zu suchen, sondern das Wohl aller in den Blick zu nehmen.
Zwei Stimmen aus bedrohten Territorien
Dass es nicht abstrakt um „Umweltfragen“, sondern um Lebensmöglichkeiten konkreter Menschen geht, zeigten zwei Zeugnisse aus dem Norden Perus.
Seferina Justo Dupis, gehört dem indigenen Volk der Awajún an. Sie ist Vizepräsidentin der Vereinigung indigener Frauen Tuwish-Huampami im Amazonasgebiet nahe der Grenze zu Ecuador. Die Frauen ihrer Gemeinschaft haben sich in der Herstellung von Keramik, Gefäßen, Schmuck und Armbändern aus Samen weitergebildet. In einer Kultur, in der Frauen lange nur wenig öffentliche Mitsprache zugestanden worden sei, hätten sie begonnen, ihre Fähigkeiten, ihre Kreativität und ihr Wissen selbstbewusst einzubringen. Mit Unterstützung der Sozialpastoral von Jaén konnten sie ein Projekt aufbauen und erhielten einen Verkaufsstand auf einem Markt. Dort bieten sie ihre Erzeugnisse an und erwirtschaften eigenes Einkommen. Seferina Justo Dupis machte jedoch deutlich, dass solche Initiativen weiterhin Begleitung, Zugang zu Märkten und verlässliche Partner benötigten.
Eswin Noel Acha Santos, ist landwirtschaftlicher Fachtechniker aus der bäuerlichen Gemeinschaft Yanta, Mitarbeiter der Pfarrei Ayabaca und ein gewählter Verantwortlicher seiner Dorfgemeinschaft. Gemeinsam mit der Diözese Chulucanas arbeitet seine Gemeinschaft am ökologischen Kaffeeanbau und an der Pflanzung von Obstbäumen. Das Ziel besteht nicht allein darin, Rohkaffee zu verkaufen. Die Bohnen sollen möglichst vor Ort weiterverarbeitet werden, damit ein größerer Teil der Wertschöpfung bei den Familien bleibt. Dahinter steht auch der Widerstand gegen Bergbauvorhaben, die landwirtschaftlich genutztes Land bedrohen. Nur wenn die Landwirtschaft den Familien ein verlässliches Einkommen ermögliche, könne sie eine wirkliche Alternative zur Abtretung des Landes bilden. Erzbischof Alfredo Vizcarra sprach in diesem Zusammenhang von einem bedrohten Gebiet von mehr als 10.000 Hektar. Kupferhaltiger Staub könne sich auf Böden und Pflanzen ablagern und damit die Vermarktung landwirtschaftlicher Produkte unmöglich machen.
Unterschiedliche Erfahrungen, gemeinsame Verantwortung
Nach den Berichten aus den Regionen beraten die Teilnehmenden in drei Arbeitsgruppen über das gemeinsame Haus, die Menschenwürde und die Menschenrechte. Ausgangspunkt ist die Frage: „Welchen Schrei der Erde und der Armen bringe ich aus meiner Wirklichkeit zu diesem Treffen mit?“
Aus Peru werden die Folgen des legalen und illegalen Bergbaus, der Erdölförderung und von Monokulturen genannt: verschmutztes Wasser, zerstörte Lebensräume und politische Entscheidungen, an denen die betroffene Bevölkerung kaum beteiligt wird. Hinzu kommen Gewalt gegen Frauen, Menschenhandel, Erpressung, soziale Unsicherheit und eine unzureichende Gesundheitsversorgung. Die Klimakrise verschärfe diese Ungleichheiten und treffe besonders bäuerliche und indigene Gemeinschaften, Fischer sowie Menschen in gefährdeten Flussregionen.
Die deutschen Teilnehmenden bringen andere, aber ebenfalls miteinander verbundene soziale und ökologische Erfahrungen ein. Genannt werden Einsamkeit und zunehmender Individualismus, Wohnungsnot und steigende Mieten sowie die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich. Wirtschaftliche Unsicherheit könne gesellschaftliche Spannungen verschärfen und dazu führen, dass Migrantinnen und Migranten zu Sündenböcken gemacht würden. Zugleich seien die Folgen der Klimakrise auch in Deutschland längst wahrnehmbar: durch geschädigte Wälder, längere Trockenperioden, regional knapper werdendes Wasser und zeitweise niedrige Wasserstände von Flüssen und Seen. Landwirtschaft und Gesundheit seien ebenfalls betroffen – auch wenn Menschen in anderen Weltregionen diesen Veränderungen häufig früher und in wesentlich existenziellerer Weise ausgesetzt seien.
Die Situationen in Peru und Deutschland sind weder gleich noch unmittelbar vergleichbar. In den Gesprächen wird jedoch deutlich, dass soziale Ungleichheit und ökologische Krisen in beiden Ländern zusammenwirken. Menschen mit geringem Einkommen und wenigen politischen Einflussmöglichkeiten tragen die Folgen meist stärker. Zugleich bestehen globale wirtschaftliche Verbindungen: Rohstoffe aus Peru werden auch für Produkte und Infrastruktur in Europa benötigt. Konsum und wirtschaftliche Entscheidungen im Globalen Norden können deshalb konkrete Auswirkungen auf Menschen und Lebensräume im Globalen Süden haben.
Als gemeinsame Aufgaben nennen die Gruppen Bildungsarbeit, internationale Zusammenarbeit, politische Interessenvertretung und die Unterstützung bestehender Initiativen. In Deutschland müsse neben den sozialen Herausforderungen auch der eigene Ressourcenverbrauch in den Blick kommen. Zugleich dürfe nicht nur über indigene und bäuerliche Gemeinschaften gesprochen werden. Ihre Vertreterinnen und Vertreter müssten selbst an Beratungen und Entscheidungen beteiligt sein. Die Partnerschaft könne so soziale und ökologische Fragen zusammenführen, ohne die unterschiedlichen Lebenswirklichkeiten in Peru und Deutschland gleichzusetzen.
Vom Austausch zum gemeinsamen Handeln
Genau an diesem Punkt setzt die am Mittag unterzeichnete Verpflichtungserklärung an. Sie überführt die Erfahrungen aus den Territorien und die Ergebnisse der Gespräche in drei miteinander verbundene Ziele.
Am Anfang steht der Austausch von Wissen und Erfahrungen zwischen den beteiligten peruanischen Ortskirchen und der Erzdiözese Freiburg. Dabei geht es nicht allein um Fachwissen. Die Erklärung nennt ebenso die Vertiefung der Partnerschaft, gemeinsame Reflexion und gegenseitiges Lernen über den Schutz von Menschenrechten und Umwelt sowie über den Aufbau eines „aktiven Friedens“.
Aus diesem Austausch sollen konkrete Initiativen entstehen. Deshalb sieht die Erklärung als zweites Ziel eine stärkere finanzielle Zusammenarbeit vor. Unterstützung aus Freiburg soll dazu beitragen, in den beteiligten Regionen Projekte zum Schutz der Umwelt und der Rechte betroffener Gemeinschaften zu entwickeln und umzusetzen.
Das dritte Ziel führt die Erfahrungen aus Peru zurück nach Freiburg: Die Situation der betroffenen Gemeinschaften soll in den Gemeinden der Erzdiözese stärker sichtbar werden. Damit soll die Partnerschaft nicht auf finanzielle Hilfe beschränkt bleiben. Sie soll informieren, Beziehungen vertiefen und ein Bewusstsein dafür schaffen, dass der Schutz des gemeinsamen Hauses und der Menschenrechte eine geteilte Verantwortung ist.
Das dritte Ziel führt die Erfahrungen aus Peru zurück nach Freiburg: Die Situation der betroffenen Gemeinschaften soll in den Gemeinden der Erzdiözese stärker sichtbar werden. Damit soll die Partnerschaft nicht auf finanzielle Hilfe beschränkt bleiben. Sie soll informieren, Beziehungen vertiefen und ein Bewusstsein dafür schaffen, dass der Schutz des gemeinsamen Hauses und der Menschenrechte eine geteilte Verantwortung ist.
Die drei Ziele bauen somit aufeinander auf: Erfahrungen werden ausgetauscht, daraus entsteht gemeinsames Handeln, und die Wirklichkeit der betroffenen Menschen wird auch in Freiburg zum Thema. Die Partnerschaft verbindet auf diese Weise Lernen, konkrete Unterstützung und Bewusstseinsbildung.
Die Vereinbarung gilt zunächst für zwei Jahre und kann verlängert werden. Ihre Umsetzung wird auf Freiburger Seite durch die zuständige Weltkirchenstelle, in Peru durch die Sozialpastoral der beteiligten Ortskirchen koordiniert. Dabei beginnt die Zusammenarbeit nicht bei null: Chulucanas, Chachapoyas und Jaén hatten bereits 2025 eine Fachgruppe gebildet, unterstützt von CEAS und dem peruanischen Netzwerk Red Muqui. Mit der Erklärung werden Trujillo und die Erzdiözese Freiburg enger in diese bestehende Arbeit einbezogen.
„Viele Tropfen kühlen den heißen Stein“
Erzbischof Stephan erinnerte bei dem Treffen an seinen ersten Besuch in Peru vor elf Jahren. Die Gastfreundschaft und Herzlichkeit, die er bei jeder Reise erfahre, zeigten, was es bedeute, Mitmenschlichkeit zu pflegen. Umso schmerzlicher sei die Begegnung mit der Geschichte der Gewalt.
Er erinnerte an eine Reise mit dem damaligen Bundespräsidenten Joachim Gauck und an dessen Wort aus dem Johannesevangelium: „Die Wahrheit wird euch frei machen.“ Dieser Satz sei ihm im Gedächtnis geblieben. Er bedeute nicht nur, vergangenes Unrecht aufzuarbeiten. Er fordere ebenso dazu heraus, sich der Wahrheit der Gegenwart zu stellen, Ungerechtigkeit beim Namen zu nennen und das Leiden von Menschen nicht zu verdrängen.
Die Partnerschaft könne nicht alle Probleme der Welt lösen, sagte Erzbischof Stephan. Sie könne aber kleine Teile der Wirklichkeit verändern – in Peru ebenso wie in Deutschland. Dem häufig gehörten Einwand, Hilfsprojekte seien lediglich „Tropfen auf den heißen Stein“, hielt er entgegen: Für den Menschen, der einen solchen Tropfen empfange, sei dieser nicht bedeutungslos. Und viele Tropfen könnten schließlich auch einen heißen Stein kühlen.
Damit beginnt die Arbeit nicht bei null. Chulucanas, Chachapoyas und Jaén hatten bereits im März 2025 eine Fachgruppe gegründet, um gemeinsame Strategien zur Begleitung gefährdeter Gemeinschaften zu entwickeln. Unterstützt wird diese Arbeit von CEAS und dem peruanischen Netzwerk Red Muqui, das sich mit den sozialen und ökologischen Folgen des Bergbaus befasst. Nun werden auch Trujillo und die Erzdiözese Freiburg stärker in dieses Netzwerk einbezogen.
Eine Unterschrift „mit dem Herzen“
Vor der Unterzeichnung wurde eine Kerze als Zeichen der Gegenwart Gottes entzündet. Für die Erzdiözese Freiburg unterzeichneten Erzbischof Stephan und Dr. Sabine Philipp-Sattel. Es folgten Bischöfe und Verantwortliche der Sozialpastoral aus den beteiligten peruanischen Ortskirchen. Die Tagesordnung sah vor, nicht allein die kirchlichen Amtsträger, sondern ausdrücklich auch leitende Laien in die Unterzeichnung einzubeziehen.
Padre Juan Goicochea lud alle Anwesenden ein, die Vereinbarung innerlich mitzutragen. Nicht nur die Personen am Unterschriftentisch seien Beteiligte, sondern ebenso die Gemeinschaften, Pfarreien, Jugendlichen und Familien, die Menschen an der Küste, in den Anden und im Amazonasgebiet. Der gemeinsame Weg solle ein Weg ökologischer Umkehr, der Geschwisterlichkeit und der Mission sein. Die Ortskirchen sollten zu Brücken zwischen den Völkern werden, damit der Schrei der Armen und der Schöpfung im Evangelium eine Antwort finde.
EUCHARISTIEFEIER IN DER KATHEDRALE VON LIMA
Einheit ist nicht Uniformität
Am Abend fand der Tag seinen geistlichen Höhepunkt in der Kathedrale von Lima. Zahlreiche Bischöfe waren zur Eucharistiefeier gekommen, unter ihnen Kardinal Pedro Barreto, der emeritierte Erzbischof von Huancayo und eine der prägenden kirchlichen Stimmen für Amazonien und die integrale Ökologie. Er war unter anderem in leitender Verantwortung im panamazonischen kirchlichen Netzwerk tätig und wurde 2025 vom Vatikan als Präsident der kirchlichen Amazonienkonferenz CEAMA geführt. Auch Bischof Jorge Izaguirre nahm als Präsident des Consejo Nacional der Partnerschaft teil.
Am Abend fand der Tag seinen geistlichen Höhepunkt in der Kathedrale von Lima. Zahlreiche Bischöfe waren zur Eucharistiefeier gekommen, unter ihnen Kardinal Pedro Barreto, der emeritierte Erzbischof von Huancayo und eine der prägenden kirchlichen Stimmen für Amazonien und die integrale Ökologie. Er war unter anderem in leitender Verantwortung im panamazonischen kirchlichen Netzwerk tätig und wurde 2025 vom Vatikan als Präsident der kirchlichen Amazonienkonferenz CEAMA geführt. Auch Bischof Jorge Izaguirre nahm als Präsident des Consejo Nacional der Partnerschaft teil.
Der Eucharistiefeier stand der Erzbischof von Lima, Kardinal Carlos Gustavo Castillo Mattasoglio, vor. Er gehört seit Dezember 2024 dem Kardinalskollegium an und ist seit 2019 Erzbischof von Lima. Einen Teil seiner philosophischen und theologischen Ausbildung absolvierte er an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom.
In seiner Predigt ging Kardinal Castillo vom Evangelium aus, in dem Jesus an David erinnert, der von den im Heiligtum ausgelegten Broten aß. Jesus verteidige damit eine Freiheit, die nicht Willkür bedeute, sondern das Leben des Menschen über eine erstarrte Anwendung von Regeln stelle.
Die christliche Erfahrung sei zunächst eine Erfahrung der Freiheit, sagte der Kardinal. Diese durch Christus geschenkte Freiheit dürfe nicht für sich behalten werden. Christinnen und Christen hätten den Auftrag, sie miteinander und mit der Welt zu teilen. Auch die seit 40 Jahren bestehende Partnerschaft zwischen Peru und Freiburg sei ein Zeichen dieser Freiheit.
Dabei verband Kardinal Castillo die große Geschichte der Partnerschaft mit einer sehr persönlichen Erinnerung. Während seiner Studienjahre in Rom habe er regelmäßig Unterstützung für sein Stipendium erhalten. Erst später sei ihm deutlicher geworden, dass das Geld institutionell über Freiburg gekommen, aber von Menschen in einer Gemeinde der Erzdiözese aufgebracht worden sei. Aus dem Beitrag dieser Menschen sei für ihn die Möglichkeit zum Studium und eine prägende Glaubenserfahrung entstanden.
Die Partnerschaft sei deshalb nicht nur ein organisatorisches Instrument. Sie zeige, dass christliches Leben dort glaubwürdig werde, wo Menschen solidarisch füreinander einstehen. „Die Menschheit zu vermenschlichen“, sei eine der ersten Aufgaben der Kirche. Sie müsse lernen, die Gesinnung Jesu anzunehmen, einander ohne Vorbedingungen zu lieben und das Leben als unentgeltliches Geschenk zu teilen.
Dass Papst Leo XIV. einen bedeutenden Teil seines missionarischen und bischöflichen Lebens in Peru verbracht hat – unter anderem in Chulucanas, Trujillo und Chiclayo –, bezeichnete Kardinal Castillo als besondere Freude für die peruanische Kirche.
Die christliche Erfahrung sei zunächst eine Erfahrung der Freiheit, sagte der Kardinal. Diese durch Christus geschenkte Freiheit dürfe nicht für sich behalten werden. Christinnen und Christen hätten den Auftrag, sie miteinander und mit der Welt zu teilen. Auch die seit 40 Jahren bestehende Partnerschaft zwischen Peru und Freiburg sei ein Zeichen dieser Freiheit.
Dabei verband Kardinal Castillo die große Geschichte der Partnerschaft mit einer sehr persönlichen Erinnerung. Während seiner Studienjahre in Rom habe er regelmäßig Unterstützung für sein Stipendium erhalten. Erst später sei ihm deutlicher geworden, dass das Geld institutionell über Freiburg gekommen, aber von Menschen in einer Gemeinde der Erzdiözese aufgebracht worden sei. Aus dem Beitrag dieser Menschen sei für ihn die Möglichkeit zum Studium und eine prägende Glaubenserfahrung entstanden.
Die Partnerschaft sei deshalb nicht nur ein organisatorisches Instrument. Sie zeige, dass christliches Leben dort glaubwürdig werde, wo Menschen solidarisch füreinander einstehen. „Die Menschheit zu vermenschlichen“, sei eine der ersten Aufgaben der Kirche. Sie müsse lernen, die Gesinnung Jesu anzunehmen, einander ohne Vorbedingungen zu lieben und das Leben als unentgeltliches Geschenk zu teilen.
Dass Papst Leo XIV. einen bedeutenden Teil seines missionarischen und bischöflichen Lebens in Peru verbracht hat – unter anderem in Chulucanas, Trujillo und Chiclayo –, bezeichnete Kardinal Castillo als besondere Freude für die peruanische Kirche.
Gegen die Herrschaft des Geldes
Deutlich kritisierte Kardinal Castillo einen Katholizismus, der sich auf einen Katalog erlaubter und verbotener Handlungen reduziere und dadurch seine Kreativität verliere. Das Evangelium rufe nicht zu Ängstlichkeit, sondern zu einer verantworteten Freiheit und zur schöpferischen Liebe.
Zugespitzt erinnerte er daran, dass Jesus nicht Gott und den Teufel, sondern Gott und den Mammon einander gegenübergestellt habe. In einer Welt, in der Geld immer stärker zum Prinzip der Existenz werde, drohten Menschen, Kulturen und Lebensweisen nur noch nach ihrem wirtschaftlichen Nutzen beurteilt zu werden.
Geld mache alles vergleichbar, sagte Kardinal Castillo. Es vereinheitliche, globalisiere und dränge Verschiedenheit zurück. Die Kirche dagegen lebe aus einer Einheit, die keine Uniformität sei. Eucharistie, Sakramente und das gemeinsame Bekenntnis verbänden die Gläubigen. Ihr Reichtum bestehe jedoch ebenso in unterschiedlichen Kulturen, Sprachen, Erfahrungen und Ausdrucksformen.
Gerade deshalb sei die Partnerschaft ein Gegenzeichen zur Alleinherrschaft des Geldes. Sie verbinde Menschen nicht, weil diese denselben wirtschaftlichen Nutzen hätten, sondern weil sie Schwestern und Brüder seien. Angesichts von Kriegen, wachsender internationaler Konfrontation und der Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen komme der Kirche der Auftrag zu, das Leben miteinander zu teilen, besonders mit den Ärmsten.
„Die Herzenssprache habe ich gelernt“
Am Ende der Eucharistiefeier dankte Erzbischof Stephan für die gemeinsame Feier und für alles, was in 40 Jahren Partnerschaft gewachsen ist. Als die Partnerschaft 1986 offiziell begründet wurde, sei er selbst als Seminarist dabei gewesen. Damals habe er sich weder vorstellen können, was aus der Verbindung mit Peru entstehen würde, noch, dass er eines Tages als Erzbischof Stephan ein solches Jubiläum mitfeiern werde.
Die Partnerschaft sei nicht nur für die Erzdiözese, sondern auch für sein persönliches Leben zu einer großen Bereicherung geworden. Bei jedem Besuch erlebe er eine Gastfreundschaft, die ihresgleichen suche. Über alle Entfernungen hinweg gelte: Das Herz spreche zum Herzen.
Die spanische Sprache, räumte Erzbischof Stephan ein, habe er bislang nicht gelernt. „Die Herzenssprache aber schon.“ Er dankte nicht nur für das, was Freiburg habe geben können, sondern ausdrücklich für alles, was die Erzdiözese von den Menschen und der Kirche in Peru empfangen habe und weiterhin empfange.
Die spanische Sprache, räumte Erzbischof Stephan ein, habe er bislang nicht gelernt. „Die Herzenssprache aber schon.“ Er dankte nicht nur für das, was Freiburg habe geben können, sondern ausdrücklich für alles, was die Erzdiözese von den Menschen und der Kirche in Peru empfangen habe und weiterhin empfange.
Sein Blick richtete sich bereits nach vorn: Gemeinsam wolle man daran arbeiten, auch das 50-jährige Bestehen der Partnerschaft feiern zu können. „Ad multos annos. Gratias“ – auf viele weitere Jahre, und: Danke.
Beim anschließenden Empfang stießen mehr als 80 Gäste auf die Partnerschaft an. Am Ende dieses Tages stand damit ein neuer Auftrag: Die Freundschaft zwischen Freiburg und Peru soll dort wirksam werden, wo das Leben bedroht ist: in den Territorien indigener Völker, auf den Feldern der Campesinos, in den von Rohstoffabbau betroffenen Gemeinden und ebenso in den gesellschaftlichen Konflikten Deutschlands. Die Partnerschaft will nicht nur an eine 40-jährige Geschichte erinnern. Sie will Zukunft ermöglichen.
Dorothée Kissel

























