Spiritualität in der Partnerschaft wachsen lassen
Aus dem Protokoll des Regionaltreffens in der Pfarrei Hl. Familie, Freiburg, vom 08.11.2001:
1. Begrüßung
Wir singen den Partnerschaftskanon „Compartir la esperanza ...“ und die Vertonung des Partnerschafts-Leitworts 2000/2001 „Abrir nuevos caminos de fé ...“ .
Thema des Treffens ist die Spiritualität in der Partnerschaft. Beim 1. Nationalen Partnerschaftskongress für Diözesandelegierte in Lima vom 22. – 24. April 1999 wurden Leitlinien der Partnerschaft Perú - Freiburg verabschiedet.
2. Aus den peruanischen Leitlinien wird verlesen:
Spiritualität:
 | Wir sind Zeichen der Katholischen Kirche, Propheten unter den Völkern, die Geschwisterlichkeit als Töchter und Söhne eines Vaters schaffen möchte. Wir sind Christen.
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 | Partnerschaft ist ein vom Heiligen Geist getragener Lebensstil, der zum Ziel hat, am Aufbau des Reiches Gottes mitzuwirken. Wir sind Teil einer umfassenden Einheit: der Weltkirche. Dem Beispiel der ersten Gemeinden folgend sollen wir Einheit, Liebe, Gemeinschaft und Hoffnung wachsen lassen. |
Handlungsvorschläge:
 | Unsere Spiritualität kommt in Gebeten, Abendbesinnungen, Arbeitstagungen, Einkehrtagen, in der Eucharistie, die wir für unsere Nächsten feiern, ebenso zum Ausdruck wie in unserem täglichen Leben.
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 | Wir sollten die Leitworte zur Partnerschaft aus den vergangenen 13 Jahren und die entsprechenden Erläuterungen verschiedener Bischöfe neu entdecken und in die Praxis einbringen.
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 | Wir sollten die verschiedenen Gruppen in der Pfarrei als Chance zur Vertiefung der Partnerschaft begreifen; insbesondere den Bereich der Jugendlichen und Kinder. Wir müssen offene Partnerschaftsgruppen bilden, die ausgehend von der Spiritualität der Partnerschaft Veranstaltungen für die Gläubigen durchführen und Firmlinge begeistern.
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 | Austausch eines gemeinsamen Gebetsanliegens für die Partnerschaft anläßlich eines bestimmten Festtages, z. B. zu Dreikönig. Die Spiritualität gemäß des Evangeliums leben. |
3. Meditation, musikalisch untermalt (CD Jan Gabarek, Saxophon), geleitet durch folgende Fragen:
 | Welche Bedeutung hat Spiritualität in der Perú-Partnerschaft für mich persönlich?
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 | Gibt es Bibelstellen, Geschichten oder Sprüche, die ich mit meiner Motivation im Perúkreis in Verbindung bringen kann?
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 | Was gibt mir mein Engagement im Perúkreis persönlich?
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 | Wie selbstverständlich ist mir die „gleiche Augenhöhe“ in der Partnerschaft? Muss ich mich selbst zuweilen daran erinnern?
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 | Hat die Mitarbeit im Perúkreis Auswirkungen auf meinen Glauben?
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 | Nehme ich das Gebet für die Partnergemeinde genauso ernst wie die finanzielle Unterstützung? |
4. Diskussion
Eine Teilnehmerin berichtet aus ihrem Heimatbistum Trier, wo es auf Diözesanebene eine Partnerschaft mit Bolivien gibt. Diese Partnerschaft ist ihr zu abstrakt. Sie hätte gern eine Familie, für die sie beten kann.
Die Beiträge anderer Teilnehmer gehen in dieselbe Richtung. Partnerschaft ist kein Fluidum, sondern muss konkret sein. Dabei kann die Brücke des Evangeliums beschritten werden, die schon da ist. Dadurch können wir mit den Menschen dort sehr schnell in eine innige Beziehung treten. Bei einem Besuch von Peruanern hier bei uns fingen diese gleich an, die Partnerschaft aus dem Glauben heraus zu entwickeln. Aus der Partnerschaft haben die Peruaner Solidarität aufgebaut.
Es werden Unterschiede zwischen Peruanern und uns gesehen. Für Peruaner ist das Gebet öffentlich möglich. Wir stellen bei unseren peruanischen Partnern eine enorme religiöse Tiefe fest. Mit dieser anderen Art religiös zu leben, kann und muss man umgehen lernen. In einem deutschen Perúkreis kann man wohl einen Gottesdienst vorbereiten, aber ein Gebet beim abendlichen Treffen würde bei vielen auf Befremden stoßen.
Es fällt uns sehr schwer, religiöse Formulierungen in den Briefen aus Perú anzunehmen. Ein Teilnehmer berichtet, man sei dann von deutscher Seite dazu übergegangen, über das eigene Gemeindeleben zu erzählen.
Durch den Besuch der Peruaner hier, so ein Teilnehmer, beginnt sich in seiner Gemeinde etwas zu verändern. Die Begegnung hat nachdenklich gemacht. Auch andere haben den Besuch einer Gruppe aus Perú als Bereicherung erfahren. Der Austausch von deutschem und peruanischen Liedgut habe zu einer spirituellen Erfahrung beigetragen.
Das Besondere an der Partnerschaft ist, dass sie überhaupt funktioniert. Finanziell, sozial und intellektuell sind die Unterschiede enorm. Deshalb wäre ein Projekt einfacher als eine Partnerschaft. Die Partnerschaft funktioniert aber, weil der Glaube die Verbindung zwischen Menschen schafft, die sich eigentlich gar nicht verstehen könnten. Beide Seiten bemühen sich, die Partnerschaft vom Evangelium her zu verstehen.
Aus einer Gemeinde wird berichtet, dass man sich durch viele Briefe und seit kurzem durch E-Mails näher kommt. Die religiösen Formulierungen in den peruanischen Briefen erinnern daran, dass in der Urkirche der Wunsch „Der Friede sei mit Dir!“ als Begrüßung gedient habe. Die Partnergruppe in Perú hat eine Kerze der deutschen Gruppe auf dem Tisch stehen. Die Gruppe trifft sich an jedem dritten Dienstag im Monat. Auch heute denken die Mitglieder dort an uns und das Regionaltreffen.
Andere haben nicht so ein direktes Erlebnis mit den peruanischen Partnern. Wenn ein Pfarrer fünf Gemeinden im Hochland zu versorgen hat, ist der Kontakt schwierig. Aber auch hier wird die Spiritualität als wichtig empfunden. Es müssen eben einfache Ansätze verfolgt werden, um die Partnerschaft weiterleben zu lassen. Beispielsweise kann das peruanische Kirchweihfest auch hier gefeiert werden. Es sind dann einfache Mittel gefragt, um der Partnerschaft Leben zu geben (ohne große Reisetätigkeit).
Demgegenüber wird aber betont, dass die persönliche Begegnung anzustreben ist. Auch von peruanischer Seite sind schon Bedenken geäußert worden, für eine Reise so viel Geld auszugeben. Aber nicht nur für die Qualität der Partnerschaft, sondern auch finanziell zahlt sich eine Reise aus, weil dann mehr Spenden fließen. Mit Campesinos ist der schriftliche Verkehr schwierig, man behilft sich mit dem Austausch von Tonbändern.
Wenn Besuch aus Perú vorbereitet wird, muss das Problem des Neides einberechnet werden. Viele wollen, nur wenige können reisen. Diejenigen, auf die schließlich die Wahl fällt, sollten sich dann als Delegierte, als Abgesandte ihrer Gemeinde verstehen.
Aus einer Gemeinde wird berichtet, dass das Beten für die Partnerschaft nie eine leere Formel gewesen sei. „Dann kam der Besuch. Die Authentizität muss man erlebt haben. Man erlebt etwas, wenn man nur zehn Minuten mit ihnen zusammen ist.“
Ein Teilnehmer bekennt, im Hinblick auf die Idee einer Partnerschaft „der Gemeinden“ sei er nüchterner geworden. Hier wie dort kann nicht die ganze Gemeinde dahinter stehen. Andere haben aber die Erfahrung gemacht, dass der Besuch aus Perú eine Initialzündung für die Beteiligung anderer Gruppen aus der Gemeinde gewesen ist.
Für Peruaner ist das Element der Feier sehr wichtig. So wurde die 500-Jahr-Feier der Entdeckung Amerikas nicht so sehr problematisiert, sondern es wurde mehr gefeiert. Beispielsweise kann jede Gruppe ihren Jahrestag feiern. Durch eine solche Feier, einmal im Jahr, werden mehr Menschen einbezogen. Warum auch nicht innerhalb der Gruppe anfangen, etwas miteinander zu teilen, z. B. ein Gebet oder eine Bibelstelle? In Perú ist es üblich, auch bei uns kann man damit experimentieren.
Bei der Vorbereitung eines Gottesdienstes kann in der geschützten Runde gefragt werden: „Was bedeutet das für Dich?“ (z. B. im Hinblick auf eine religiöse Formulierung). Daraus entsteht eine tiefe Erfahrung für alle.
Wie können wir etwas von der Spiritualität hin- und hergehen lassen? Es können Zeichen ausgetauscht werden (Altarkreuz, Hostienschale) oder man kann gegenseitig an das Patrozinium denken. Aber wir merken gleich die verschiedene Stile und wir sprechen nicht die gleiche Sprache. Man sollte es innerhalb der Gruppe probieren, z. B. hier und dort den gleichen Bibeltext. Allerdings ist die Übersetzung der Gebetssprache schwierig. Erinnert wird auch an das Jahresthema, das in peruanischen Gemeinden formuliert wird. Wir könnten dieses Thema in unserem Kreis besprechen, herausfinden, was wir damit anfangen können, und das dann weitergeben.
Die Frage wird aufgeworfen, ob es Spannungen zwischen unterschiedlichen Formen gibt. Besteht die Gefahr, den anderen vor den Kopf zu stoßen? Angesprochen wird auch der unterschiedliche Bildungshorizont.
Partnerschaft besteht aus zweien. Die Eigenständigkeit darf erhalten bleiben. Wenn man sich nach Besuchen kennt, ist der Umgang leichter.
Es wird geraten, im Austausch, in Briefen das Herz sprechen zu lassen und nicht nur technische Dinge abzuhandeln. Ein anderer Teilnehmer bestätigt dies. Man kann Formulierungen, die wir als religiösen Schwulst empfinden, vermeiden und doch aus dem Herzen schreiben.
Die angesprochene Spannung wird als wesentlich für die Partnerschaft empfunden. Eine Partnerschaft innerhalb Deutschlands wäre nicht möglich, weil zu vieles gleich ist. Erst die Unterschiede machen die Sache spannend. Wie leben die dort, wo kommt die Herzlichkeit her?
Man muss keine Angst haben. Wenn man die Peruaner erlebt, sind sie ursprünglich und authentisch, nicht schwülstig. Ihr Verhalten ist echt. Bei einem Besuch bei uns stellen sie fest, dass Religion hier Privatsache ist, dies wird aber akzeptiert.
Ein Teilnehmer weist darauf hin, dass es eine Vielzahl von Spiritualitäten gibt. Er zeigt dies an zwei Stichworten auf. Zum einen „Don Camillo“: Dieser stellt sich vor das Kreuz und redet ganz naiv mit seinem Gott und mit seinen Heiligen. Es ist ein schlichtes, aber ernstes Gespräch. Diese Art der Spiritualität kommt bei Prozessionen stark zum Ausdruck. Zum anderen „Bibel als Grundlage“: Die Bibel wird viel gelesen. Über den Text werden Lösungen gesucht. Diese Art der Spiritualität tritt vor allem im Rahmen der Katechese auf (z. B. in brasilianischen Basisgemeinden).
Die Frage, wie es die einzelnen Kreise mit der Spiritualität halten, ergibt unterschiedliche Antworten. In einer Partnerschaftsgruppe werden Arbeitskreise und andere Abende getrennt; einmal im Jahr, z. B. im Advent, gibt es einen Abend, an dem die geistliche Dimension der Partnerschaft gepflegt wird. In manchen, aber nicht in allen Gruppen ist der Pfarrer bei den Treffen regelmäßig anwesend. In vielen Gruppen steht die Besprechung technischer Dinge im Vordergrund. Spiritualität wird bei der Gottesdienstvorbereitung spürbar. Jemand berichtet, dass es einen starken spirituellen Anstoß in der Zeit des Terrorismus gegeben habe, als man Angst hatte um die Leute, die man kennt.
Es wird angemahnt, dass man im Thema Spiritualität ehrlich bleiben muss. In einer hiesigen Gemeinde gab der Gemeinderat die Anregung: „Was ist bei uns Sonntagsmesse?“ Es wird dazu ein Ergebnis geben und dieses Ergebnis soll auch nach Perú mitgeteilt werden. Man weiß in Perú ohnehin, dass bei uns etwas versickert; das muss man auch sagen.
Ein anderer Teilnehmer entgegnet, zur Ehrlichkeit gehöre aber auch, dass es angesichts der riesigen Gemeinden in Perú nicht so schwer sei, „zwei Kirchen für 100.000 Leute“ voll zu bekommen.
