Vortrag von Laura Vargas, Generalsekretärin von CEAS
Einleitung
Es ist immer eine Freude, in die Erzdiözese Freiburg zu kommen: unsere Schwesterkirche, mit der zusammen wir seit mehr als 10 Jahren die "Freude und Hoffnung, Trauer und Angst" vieler Brüder und Schwestern teilen, deren Rechte und deren menschliche Würde verletzt wurden. Wir danken sehr herzlich für die Einladung und für die Möglichkeit, mit Ihnen zusammen all das zu teilen, was unsere Arbeit bedeutete und was sie immer noch ausmacht: dem Anliegen der Verteidigung und Förderung der Menschenrechte verpflichtet, und zwar als offizielle Institution der Katholischen Kirche in Peru, nämlich CEAS, der Sozialkommission der peruanischen Bischofskonferenz.
Von Menschenrechten reden, heißt von Tatsachen und Situationen sprechen, die mit dem menschlichen Leben als einer Gesamtwirklichkeit zu tun haben. Papst Johannes Paul II ruft uns ausdrücklich dazu auf, den Menschen in seiner Ganzheit und in aller Konsequenz als je persönlichen und eigenständigen Wert zu sehen, als Subjekt und Träger der personalen Transzendenz: "man muss den Menschen um seiner selbst willen bejahen und nicht wegen eines anderen Motivs oder einer anderen Begründung. Einzig und allein um seiner selbst willen" (Rede in der UNESCO, 1980).
Für die Gläubigen war die Heilige Schrift immer Quelle und Licht, um den Einsatz für die Menschenrechte zu beleuchten und zu stärken. Es ist deswegen außerordentlich bezeichnend, dass die Heilige Schrift, wenn sie die Ursprünge der menschlichen Existenz zurückverfolgt, eine Sozialsituation beschreibt: den Brudermord Kains, dies aber zugleich als religiöse Wirklichkeit darstellt, weil ja Gott selbst seine Verteidigung, seinen Schutz und auch die entsprechende Strafe übernimmt. Gott schaltet sich in unsere Geschichte ein und er nimmt Partei für den, der misshandelt, der verwundet wird oder der ausgeschlossen ist.
In ungleich größerer Weise zeigt sich dies im Neuen Testament, das uns die Fülle der Offenbarung in Jesus Christus offenbart. Es besteht überhaupt kein Zweifel daran, dass Gott ein Gott des Lebens ist, bewegt von seiner Liebe, und dass wegen dieser unbegrenzten Liebe definitiv sein Reich des Lebens zu uns kommt, in der Person Jesu ein Reich der Gerechtigkeit, der Wahrheit und des Friedens.
Wenn die Kirche als Erbin dieser Tradition das Anliegen der Menschenrechte verteidigt und voran bringt, dann tut sie dies in Treue zum Plan Gottes, den sie liebt, an den sie glaubt und auf den sie hofft. Dies ist die tiefste Begründung dafür, was unsere Bischöfe in Santo Domingo als die Kirche Lateinamerikas und der Karibik unterstrichen haben: "Indem die Kirche das Evangelium als tiefste Wurzel der Menschenrechte verkündet, dann übernimmt sie damit nicht eine Aufgabe, die ihrer eigentlichen Mission fremd wäre; nein, ganz im Gegenteil, sie gehorcht damit dem Auftrag Jesu Christi, indem sie die Hilfe gegenüber dem Notleidenden zur wesentlichen Herausforderung ihrer evangelisierenden Mission erklärt." (165)
Ein anderer zentraler Aspekt in der Thematik der Menschenrechte ist für die Kirche deren ganzheitliches, integrales Verständnis. Eine Betrachtungsweise , die in der Weltkonferenz von Wien im Jahr 1993 im Mittelpunkt stand, als man betonte, dass die Menschenrechte universale Rechte seien – unabdingbar und unteilbar. Santo Domingo machte schon im Jahr 1992 darauf aufmerksam, dass "die Menschenrechte nicht nur durch Terrorismus, durch Unterdrückung, durch Morde verletzt werden, sondern auch durch das Vorhandensein von Bedingungen äußerster Armut und ungerechter wirtschaftlicher Strukturen, die große Ungleichheiten nach sich ziehen. Politische Intoleranz und die Indifferenz gegenüber der Situation allgemeiner Verarmung zeigen eine Verachtung des menschlichen Lebens selbst, so dass wir nicht schweigen können." (167)
Die Katholische Kirche in Lateinamerika und in der Karibik nimmt sich in Form ihrer Abteilung für Sozialpastoral im CELAM betrachtet die Pastoral der Menschenrechte als spezifische Form der Sozialpastoral auf unserem Kontinent. Mehr noch: da sie sich des globalen und ganzheitlichen Charakters der Menschenrechte bewusst, gelangt sie zur Überzeugung, dass eben von dieser Pastoral der Menschenrechte her sich all unsere Arbeit und unsere soziale Verpflichtung als Kirche Lateinamerikas und der Karibik artikulieren müssen.
Das erste Treffen Lateinamerikas und der Karibik in Sachen Pastoral der Menschenrechte fand im Jahr 1994 statt und definierte die entsprechende Pastoral als "evangelisierende Mission", welche die Kirche vermittels ihrer Gemeinschaften und Institutionen auf dem Feld der Verteidigung und der Weiterentwicklung des Lebens und der menschlichen Würde realisiert, gleichsam als Verlängerung der befreienden Mission Jesu von Nazareth unter der aktiven Beteiligung aller Männer und Frauen guten Willens".
Zum Treffen, in dem wir das Thema "Menschenrechtserziehung" behandelt haben und das in Lima im Jahr 1997 stattfand, durften wir unter auch Herrn Domkapitular Wolfgang Sauer begrüßen, der uns mit seiner wertvollen und tiefgründigen Reflexion über das Thema "Kennen wir die Armen in unserer eigenen Stadt?" begleitet hat. In jetzigen Jahr nun versammeln wir uns in El Salvador, um die Verbindung zwischen Ethik, Menschenrechte und Spiritualität zu betrachten. Jedes dieser Treffen erlaubt uns einen Schritt weiter in diesem unverzichtbaren Einsatz unserer Kirchen.
Wir sind überzeugt, dass diese besondere Perspektive der Menschenrechtspastoral das Tun unzähliger Basisgemeinschaften stärkt, deren Zeugnis in vielen Fällen durch das Blut zahlloser Märtyrer besiegelt wurde, Bischöfe, Priester, Ordensfrauen und Ordensmännern, Laien, die ihr Leben in der Verteidigung und im Einsatz für das Leben der Schwächsten hingegeben haben.
Die Würde der menschlichen Person, um wen immer es sich handeln mag, ist ein absoluter Wert. Geschaffen nach dem Bild und Gleichnis Gottes, erlöst durch den Tod und die Auferstehung unseres Herrn Jesus Christus und berufen zur endgültigen Gemeinschaft im Haus des Vaters für eine ganze Ewigkeit: dies ist für uns als Christen das Fundament unserer Arbeit und unseres Einsatzes in der Verteidigung und Förderung der Menschenrechte. Diese Doktrin ist so alt wie die Heilige Schrift selbst, aber es ist nicht zu leugnen, dass die Kirche seit der Enzyklika "Pacem in terris" von Johannes XXIII in ganz besonderer Weise begriffen hat, dass die Verteidigung der Menschenrechte auf einem Menschenbild beruht, das seinerseits im Naturrecht verankert ist: "Die Anerkennung des Naturrechts garantiert den Respekt der menschlichen Würde. Dieses Recht muss sich in einer positiven Gesetzgebung zum Ausdruck bringen, jedes Gesetz muss die Qualität des menschlichen Lebens schützen und garantieren. Zu diesem Naturrecht fügt sich ein weiterer wesentlicher Faktor, um den richtigen Maßstab und den Wert der Menschenwürde besser zu verstehen, nämlich die Tatsache, dass Mann und Frau nach Gottes Bild und Gleichnis geschaffen wurden. Nach der Erbsünde wurden wir befreit durch das Kreuz unseres Herrn Jesus Christus. In ihm sind wir angenommen als Kinder in dem einzigen Sohn Gottes. Jesus Christus ist also der Schlüssel, um die Würde der menschlichen Person richtig zu verstehen. Auf Grund der Menschwerdung kann an Jesus Christus vorbei nichts menschliches mehr authentisch verstanden werden."
Im Gefolge von Johannes XXIII vertiefen die Päpste, ebenso wie die Bischofskonferenzen, immer neu unsere ganz besondere Verantwortung in dieser Thematik. So hat z.B. die Bischofsversammlung von Puebla im Jahr 1979 bekräftigt, dass das letzte Fundament der Menschenrechte der Respekt vor der Würde der menschlichen Person sei. "Wir unterstreichen also mit allem Nachdruck, dass jeder Mann und jede Frau – so unbedeutend sie auch erscheinen mögen – einen unverletzbaren Adel in sich tragen, den sie selbst und alle anderen bedingungslos respektieren müssen." (317)
Die Kirche darf das menschliche Wesen im Stich lassen: "Wenn die Kirche in der Förderung der Würde des Menschen auf den Plan tritt, dann tut sie dies auf der Linie ihrer Sendung, die, auch wenn sie von religiösem und nicht von sozialem oder politischem Charakter ist, so doch unmöglich den Menschen in der Integrität seines Seins übersehen darf." (Johannes Paul II, Ansprache in Puebla). "Deswegen hat die Kirche als einheitliche Sendung die Verkündigung des Evangeliums und die Verteidigung und Förderung der menschlichen Würde." (Homilie von Johannes Paul II. in Santo Domingo, Januar 1979).
In neuester Zeit begreift die Kirche, dass die Verteidigung der Menschenrechte als Ausdruck der unveräußerlichen Würde jedes menschlichen Wesens ein wesentlicher Bestandteil ihrer evangelisierenden Mission ist: "Wiederentdecken und dazu beitragen, dass die unverletzbare Würde jeder menschlichen Person wieder entdeckt wird, stellt eine ganz wesentliche Aufgabe dar; mehr noch, in gewisser Hinsicht geht es sogar um die zentrale und alles zusammenführende Aufgabe des Dienstes der Kirche, und in dieser Aufgabe sind alle gläubigen Laien dazu aufgerufen, dies der ganzen Menschheit anzubieten." (CL 37 und SRS 47). Für uns in Lateinamerika muss dies das Rückgrat der Sozialpastoral sein.
Als Kirche und aufgrund des Dienstes, zu dem sie berufen ist, wollen wir Zeichen und Wächter des transzendenten Charakters der menschlichen Person sein, der Heiligkeit seines Lebens. Durch Jesus Christus wurden wir Söhne und Töchter in dem einen Sohn, und um so mehr hat sich das menschliche Wesen auf die transzendente Realität Gottes hin geöffnet. Johannes Paul II gelangt in seiner ersten Enzyklika "Redemptor Hominis" sogar zu der Feststellung: "Dieses tiefe Staunen im Blick auf den Wert und die Würde des Menschen nennt sich Evangelium, das heißt gute Nachricht. Es nennt sich auch Christentum.... dieses Staunen und zugleich auch die Gewissheit.... ist eng verknüpft mit Christus selbst. Es charakterisiert seine Position, sein, wenn man so sagen kann, ganz eigenes Bürgerrecht in der Geschichte des Menschen und der Menschheit." (10)
Mit dem zentralen Ereignis der Kirche im zurückliegenden Jahrhundert, dem Zweiten Vatikanischen Konzil, öffnete die Kirche ihre Pforten zum Dialog mit der Welt und hat dabei zugleich auch die soziale Dimension des menschlichen Lebens als theologischen Ort anerkannt, von dem aus der Herr uns zu einer Zusammengehörigkeit zwischen Glauben und Leben auffordert und zur Treue gegenüber der Vision des "Lebens in Fülle" (Joh. 10,10), das Gott für alle seine Söhne und Töchter will, vor allen Dingen für die Ärmsten. "Die Kirche verkündet also, im Einklang mit dem Evangelium, das ihr übertragen wurde, die Rechte des Menschen und schätzt ganz besonders die Dynamik der gegenwärtigen Zeit, die solche Rechte allenthalben fördert." (GS 41)
Die Kirche ist überzeugt, dass der Dialog ihre pastorale Mission auszeichnen muss, und es ist genau das Zweite Vatikanische Konzil, das die Eigenschaften beschreibt, die dieser Dialog mit der modernen Welt haben muss. Das besondere Anliegen, das Herz, das Zentrum dieses Dialoges ist die menschliche Person, die ja selbst der Weg ist, den die Kirche in der Erfüllung ihrer Mission durchlaufen will. In der ersten Enzyklika von Paul VI, die den Geist und die Sinnspitze des Konzils aufgreift, wird uns gesagt werden: "Wollte man nicht, und mit Recht, dem Konzil selbst einen pastoralen Zweck geben, ganz hingeordnet auf die Einfügung der christlichen Botschaft in das Denken, die Sprache, die Kultur, die Sitte, den Geist der Menschheit, wie sie heute auf Erden lebt? Bevor man die Welt bekehrt, oder vielmehr um sie zu bekehren, muss man sich ihr nahen und mit ihr sprechen...... In dem selben Bemühen, der Welt nahe zu kommen, und zwar mit aller Achtung, Aufmerksamkeit und mit aller Liebe, um sie zu verstehen, um ihr die Gaben der Wahrheit und Gnade anzubieten, zu deren Verwalter uns Christus gemacht hat, und um ihr unser wunderbares Glück der Erlösung und der Hoffnung mitzuteilen. Tief haben Wir uns die Worte Christi eingeprägt, an denen Wir demütig, aber entschieden festhalten wollen: "Nicht .... um die Welt zu richten hat Gott seinen Sohn in die Welt gesandt, sondern dass die Welt gerettet werde durch ihn." Joh. 3, 17 (ES 28)
Ausgangspunkt unserer Arbeit: Mit der Realität in Einklang kommen
In Peru haben wir mit Nachdruck damit angefangen, von der Bedeutung und der Wichtigkeit der Menschenrechte zu sprechen, und zwar seit der schmerzhaften Erfahrung des mehr als 15 Jahre andauernden Phänomens der terroristischen Subversion einerseits und andererseits der gewaltsamen Antwort der Streitkräfte bzw. der unverhältnismäßigen Reaktion der staatlichen Sicherheitsorgane. Im Verlauf dieser schwierigen und außerordentlich schmerzhaften Jahre waren wir in Peru alle von der einen oder anderen Form der persönlichen Erfahrung von politischer Gewalt gezeichnet, die unmittelbar an unsere eigenen Türen klopfte. Die Bilanz dieser Jahre waren 5.000 inhaftierte und verschwundene Personen, ungefähr 600.000 Menschen, die ihren Wohnort verlassen mussten, ungefähr 30.000 Tote, von denen mehr als die Hälfte Zivilisten waren und in der großen Mehrzahl überhaupt nicht wussten, warum sie sterben mussten. Die Zahl der mit Drohungen Bedrängten ging in die Hunderte, ebenfalls die der zu Unrecht Inhaftierten, und auch die Verwundeten und Versehrten sowie die Waisenkinder und Witwen. Unter ökonomischem Blickwinkel belief sich wegen der totalen Zerstörung von Infrastruktur der Schaden ungefähr auf die gleiche Summe wie die peruanische Auslandsschuld, die sich zum damaligen Zeitpunkt ungefähr auf 20 Mrd. US$ belief. Aber vielleicht ist der tragischste "Saldo" dieser Ereignisse die Tatsache, dass die Gewalt in unsere Gesinnung und in unsere Herzen eindrang.
Die dargelegten statistischen Zahlen lassen uns dem Phänomen näher kommen und sind sehr bedeutsam, um uns die Gewichtigkeit des gesamten Problems begreifen zu helfen. Allerdings reichen sie nicht aus, um das im Verlauf dieser Zeitstrecke angehäufte Leiden in seinem ganzen Ausmaß auszudrücken, und auch nicht die Spuren, die in der Seele eines Volkes zurück geblieben sind. Von daher stehen die Themen des sozialen Wiederaufbaus und der brüderlichen Versöhnung nach wie vor als vordringliche Aufgabe in der nationalen Agenda an. Als Kirche glauben wir daran, dass die Versöhnung von Gott kommt. Es ist Gott selbst, der die Welt durch das Blut unseres Herrn Jesus Christus versöhnt. Dieses Faktum, Frucht der ungeschuldeten Liebe und der Barmherzigkeit Gottes, muss einen tiefgehenden Prozess einleiten, der ausgehend von den Opfern, alle Peruanerinnen und Peruaner versammeln und einbeziehen muss in der Suche der Wahrheit und der Gerechtigkeit.
Die Ausmaße der Gewalt veränderten sich nach der Festnahme von Abimael Guzmán im September 1992, aber es blieben die Folgeerscheinungen dieser schmerzhaften Erfahrung, die bestimmt noch eine relativ lange Zeit brauchen, um überwunden zu werden. - Eine ganz besondere Aufmerksamkeit haben wir im Verlauf all dieser Jahre den unschuldig Inhaftierten gewidmet, ebenfalls dem Anliegen, das Thema der ordentlichen Prozessverfahren zur Sprache zu bringen sowie der unmenschlichen Haftbedingungen. Der Wolfgang-Zwingmann-Fonds, der uns im Verlauf dieser zurückliegenden 10 Jahre begleitend zur Verfügung gestanden hat, leistete und leistet einen unermesslichen Dienst, weil er uns in die Lage versetzt hat, Einzelpersonen direkt zu unterstützen, deren persönliche Rechte mit Füßen getreten wurden, ganz besonders Menschen, die bedroht wurden oder jene, die unschuldig im Gefängnis waren, sowie deren Familien. Wir glauben, dass sich für diesen "Solidaritätsfonds für Menschenrechte in Peru" kein besserer Name hätte finden lassen. Ich habe Prälat Zwingmann zum ersten Mal durch einen Brief kennen gelernt, als er -in großer Unruhe im Blick auf die Gewalt in unserem Land- die Möglichkeit einer Hilfe angeboten hatte, damit wir uns der Fälle von Menschenrechtsverletzungen annehmen könnten. Diese Hilfe kam uns tatsächlich als Geschenk vom Himmel. Noch sehr gut erinnere ich mich, wie ich damals mit Bischof Hermann Schmitz in der Angelegenheit redete und er mir antwortete: "Unsere Freunde in Deutschland sind so großzügig, Laura. Ich schäme mich regelrecht, sie immer wieder um Hilfe bitten zu müssen." Beide, Wolfgang Zwingmann und Hermann Schmitz, müssen heute vom Himmel sehr glücklich sein über die Hilfe, die über den genannten Fonds geleistet werden konnte. Im der Folgezeit besuchte uns Prälat Zwingmann im Jahr 1990 aus Anlass des 25-jährigen Bestehens von CEAS, und wir konnten mit eben diesem Solidaritätsfonds eine dauerhafte Form der Hilfe vereinbaren, und uns dabei gleichzeitig in der Freundschaft und in der Hoffnung verbunden fühlen, dass wir auch diese schwierige Situation überwinden würden. Nach dem Tod Wolfgang Zwingmanns konnte mit der Hilfe von Erzbischof Dr. Oskar Saier, von Domkapitular Wolfgang Sauer, Herrn Thomas Belke und Frau Birgit Huber und von Ihnen allen dieses kostbare Werk der Geschwisterlichkeit fortgesetzt werden, das uns alle reich macht in einer außerordentlich wertvollen und noblen Angelegenheit, die zugleich so bedeutsam und dringend für alle Christen ist. An dieser Stelle möchte ich auch dem Diözesanrat der Katholiken in der Erzdiözese danken, der die Trägerschaft für den Fonds übernommen hat. Der früheren Vorsitzenden, Freifrau Helene von Heyl, und ihrer Nachfolgerin, Christel Ruppert, fühlt sich CEAS sehr verbunden. Beide haben uns bereits in Peru besucht.
Eine zweite Folgeerscheinung jener Etappe von Gewalt ist die Notstandsgesetzgebung gegen die Verbrechen des Terrorismus, die 1992 eingesetzt hat und die groben Zügen eigentlich bis heute andauert. Unter dem Einfluss der Notstandsgesetzgebung wurden Hunderte von Personen unschuldig inhaftiert und den sogenannten "Gerichtsverfahren ohne Gesicht" und den Militärtribunalen überantwortet. Seit ungefähr einem Jahr gibt es diese "Gerichte ohne Gesicht" nicht mehr, aber die Militärjustiz bleibt weiter sehr aktiv. Nach einem über mehrere Jahre andauernden streitbaren Einsatz der Menschenrechtsorganisationen und der Kirchen konnte man das "Begnadigungsgesetz" erreichen, das mit vielerlei Fehlern behaftet in gewissem Ausmaß doch versucht, diese Unschuldigen zu befreien, obwohl sich damit das Problem in seiner ganzen Dimension nicht erledigt. Da es ein Begnadigungsgesetz ist, anerkennt es nicht die Unschuld von Personen. Es befreit sie nicht von zivilen Wiedergutmachung, und es gibt auch kein Gesetz, das den Schaden ausgleicht, der diesen Menschen durch die ungerechte Inhaftierung zugefügt wurde. In diesem Jahr endete die Arbeit einer ad hoc Kommission, die diese Problematik in Augenschein nahm, aber bis heute haben wir nach wie vor unschuldig Inhaftierte in unseren Gefängnissen. Ungefähr 600 Personen wurden frei gesetzt, und man rechnet damit, dass noch etwa 300 übrig bleiben. In der großen Mehrheit handelt es sich dabei um arme Menschen aus dem Land und auch aus Städten, viele von ihnen sind Bauern mit indigener Abstammung.
Das Thema der Notstandsgesetzgebung ließ uns darauf aufmerksam werden, dass Angriffe gegen die fundamentalen Rechte durch die Mechanismen der Verwaltung und der Gerichtsbarkeit sehr häufig vorkommen. Der Tatbestand etwa, dass Militärgerichte Zivilpersonen richten, wodurch selbstverständlich die Garantien eines gerechten Prozesses verletzt werden. Viele juristischen Grundprinzipien werden nicht respektiert, etwa der Grundsatz "in dubio pro reo" oder das Prinzip der Verhältnismäßigkeit von Strafe und Vergehen.
In Peru dauern also weiterhin eine ganze Reihe von Verletzungen der zivilen und politischen Rechte der Menschen an, und dies einerseits besonders dann, wenn sie nur ganz geringe Einkommen haben und deswegen nicht die Möglichkeit besitzen, sich eine geeignete Verteidigung zu suchen; und andererseits wegen der Strukturen im Bereich des Sozialen und der Gerichtsbarkeit, die eben jene Form der Angriffe und Verletzungen begünstigt, welche aus einer bis heute fortdauernden Situation der politischen Gewalt hervorging.
Sendero Luminoso und das Movimiento Revolucionario Tupac Amaru (MRTA), die beiden terroristischen Gruppen, die sich in Peru entwickeln konnten, sind zwar politisch und militärisch ausgemerzt und haben so nicht mehr die Möglichkeit, die peruanische Gesellschaft zu destabilisieren. Gleichwohl behaupten sie eine gewisse Aktivität in manchen Gebieten des Landes, in enger Verbundenheit mit dem Drogenhandel. Das spektakulärste Ereignis, das sich in den letzten Jahren zugetragen hat, war zweifellos die gewaltsame Besetzung der Residenz des japanischen Botschafters, die uns im Jahr 1998 lange Zeit in Unruhe hielt wegen der großen Zahl der Geiseln, die mehr als fünf Monate lang festgesetzt waren. Das Geiseldrama wurde schließlich durch einen gewaltsamen Eingriff von Militärkommandos beendet, wobei sämtliche Mitglieder von MRTA umgebracht wurden, auch jene, die sich freiwillig ergeben hatten.
CEAS und die Verteidigung der Menschenrechte
Den Schrei des verletzten, den traumatisierten Volkes hören – eine umfassende Sorge um die Opfer der politischen Gewalt.
Wie schon früher angemerkt, startet CEAS mit der Arbeit in der Verteidigung und der Förderung der Menschenrechte explizit im Jahr 1982. In jenem Jahr beginnen die einfachen Landbauern die Provinz Ayacucho auf Grund der politischen Gewalt zu verlassen. Viele geben gezwungenermaßen ihre Wohnungen auf und werden Zeugen von Verbrechen, sowohl seitens des Sendero Luminoso als auch von Seiten der Streitkräfte, die ungefähr Ende 1982 die politisch militärische Kontrolle in der Zone übernehmen. Zwangsumgesiedelt, gefoltert, zu Unrecht inhaftiert, willkürlich festgenommen, außergerichtlich hingerichtet, bedroht – all dies war in höchstem Maße schmerzhaft, und die Menschen kamen auf ihrer Flucht nach Lima und suchten dort Schutz und Hilfe.
So haben wir mit einer umfassenden Sorge für diese Opfer begonnen, die in ihrer großen Mehrzahl ganz einfache Leute und durch die erlebten Erfahrungen in Schrecken versetzt waren. Unsere Aufmerksamkeit richtete sich zunächst auf die sozialen Bedürfnisse: für die meisten dieser Menschen war es das erste Mal, dass sie ihren Fuß in die Hauptstadt setzten. Die Umgebung erlebten sie als außerordentlich feindselig, nicht nur weil sie der armen indigenen Bevölkerung angehörten, sondern weil sie selbst ständig dem Verdacht ausgesetzt waren, mit den Terroristen zusammenzuarbeiten. Wir erkannten deswegen die Notwendigkeit einer zusätzlichen psychologischen und juristischen Unterstützung, und deswegen sprechen wir von einer "integralen Zuwendung" gegenüber diesen Opfern der politischen Gewalt. Wir hatten uns der Notwendigkeit gestellt, sie während im Prozess der Wiedererlangung ihrer persönlichen Sicherheit, ihrer Identität und ihrer verletzten oder bedrohten Würde zu begleiten. Bei dieser Aufgabe konnten wir mit der dezidierten Unterstützung seitens der Bischöfe unserer Kommission rechnen, ebenso auch seitens der Pastoralarbeiter in Lima, die sich für eine große Zahl von Menschen als bedeutsame geistliche Hilfe erwiesen. Es ist auch notwendig zu erwähnen, dass es seitens der Kirchen in Europa vom ersten Augenblick an eine dezidierte Unterstützung gab, eben durch die Erzdiözese Freiburg, Misereor, Cebemo in Holland und Trocaire in Irland sowie die schwedische Kirche durch ihre Diakonie. Später haben sich dann auch andere Gruppen der Hilfe in diesem Bereich angeschlossen.
Der Dialog zwischen Staat und Zivilgesellschaft – Förderung der Menschenrechtserziehung
Sehr bald waren wir uns darüber im klaren, dass es nicht ausreichte, die einzelnen Fälle zu unterstützen, so wichtig und notwendig dies auch war. Als Teil unserer Arbeit in der Verteidigung des Lebens- und der Menschenrechte wurde es ebenso notwendig danach Ausschau zu halten, wie man in einen Dialog mit der Gesellschaft und dem Staat eintreten könnte, um die sich mit großer Macht entfaltende Mentalität zu verändern, nämlich dass man "die Verteidiger der Menschenrechte als Verteidiger der Terroristen" einschätzte. Es gab also die dringende Notwendigkeit, die Gesellschaft und den Staat zu sensibilisieren, und deswegen arbeiten wir auf verschiedenen Ebenen:
Wir entwickeln Workshops und Fortbildungskurse zur Soziallehre der Kirche mit dem speziellen Thema der Menschenrechte und bieten dies besonders den pastoralen Mitarbeitern in den Diözesen an, um sie zu stärken und sie in ihren Einsatz für die Sache der Menschenrechte zu ermutigen.
Wir haben die Diözesanbischöfe motiviert, dass in jeder kirchlichen Jurisdiktion eine wenn auch noch so kleine Einrichtung zur Verteidigung der Menschenrechte errichtet würde. Bei 41 Diözesen in Peru existieren heute solche kleinen Dienststellen der Sozialpastoral in 28 Diözesen, mit denen wir die Aktionen der Sozialpastoral und der Menschenrechtsarbeit auf örtlicher Ebene koordinieren, begleiten und fördern.
Es wurden Rechtsbeistände unterstützt, Personen einzelner Ortschaften, die Kurse zum Schutz der Menschenrechte erhielten, und zwar vermittels einer Einführung in die peruanische und internationale Gesetzgebung.
Es wurden Studienseminare und jährliche Treffen auf nationaler Ebene durchgeführt, um die Situation der Menschenrechte aus kirchlicher Sicht zu analysieren und auszuwerten, woraufhin sich de nationalen Fastenaktionen und das Friedensgebet in Peru entwickelten, die in höchster Weise bedeutsam waren, um den kirchlichen Einsatz für die Menschenrechte zu ermutigen und zu stärken.
Wir haben Workshops in Rechtsverwaltung und Menschenrechtsarbeit auf nationaler Ebene einberufen, indem wir Vertreter der Gerichtsbarkeit und Verantwortliche der öffentlichen Hand mit den Netzwerken der Anwälte der katholischen Kirche und von Nicht-Regierungsorganisationen zusammen brachten, um sie in der anstehenden Problematik zu sensibilisieren und zugunsten der Opfer die Möglichkeit von Veränderungen in der Gesetzgebung herbeizuführen. Diese besonderen Studienseminare bestehen nun schon seit 12 Jahren und haben sich im Lauf dieser Zeit zu einem notwendigen Raum des Dialogs der Kirche, der Zivilgesellschaft und des Staates entwickelt.
Unsere Bemühungen erbrachten auch ein bedeutsames Niveau der Zusammenarbeit und Koordinierung von Zivilgesellschaft, indem es zur Errichtung einer "Coordinadora Nacional de Derechos Humanos" – einer nationalen Entwicklungsstelle für Menschenrechte kam, in der gemeinsamen Anstrengung, die Idee der Menschenrechte weiterhin bekannt zu machen, die Zivilgesellschaft zu sensibilisieren und sowohl auf nationaler Ebene als auch auf internationaler Ebene die schweren Verletzungen und die gewaltsamen Übergriffe anzuzeigen.
Ich war im Gefängnis und ihr habt mich besucht – Gefängnispastoral
Die Gefängnispastoral hat ihre Ursprünge noch vor der Epoche der politischen Gewalt, und unsere diesbezügliche Arbeit war schwerpunktmäßig darauf bezogen, die Strafgefangenen und ihre Familienangehörigen zu begleiten: durch Sozialprogramme, in ganz besonderer Weise auf dem Sektor des Gesundheitswesens und der Arbeit, im stetigen Bemühen um ein Minimum an Humanität in den Gefängnissen und dazu beizutragen, dass die Familie des Inhaftierten nicht vollständig zerbreche. - Die politische Gewalt fügte danach ein neues Element hinzu, nämlich die Sorge um die unschuldig Einsitzenden, die in den Hochsicherheitsgefängnissen und unter völlig inhumanen Bedingungen leben müssen. Unsere Anstrengungen gehen auf der einen Seite dahin, ein Niveau von Menschenwürdigkeit im inneren der Gefängnisse aufrecht zu erhalten, dabei gleichzeitig die Arbeit einer großen Zahl von ehrenamtlichen Laienhelfern zu koordinieren. Andererseits können wir in Peru zusammen mit der evangelischen Kirche Nationalkampagnen und Gebetsaktionen durchführen, durch welche die Aufmerksamkeit in unseren Kirchen und in unserer Gesellschaft für jene besonderen Problemsituationen aufgebaut werden, die das Leben der gefangenen Person betreffen. Man könnte im Zusammenhang mit vielen guten Dingen dieser Erfahrung auf ganze Reihe von Zeugnissen einer sehr tiefen persönlichen Begegnung mit Christus berichten, sowohl bei den inhaftierten Personen selbst als auch in deren Familien. Im aktuellen Jahr, im Zusammenhang des Jubiläumsjahres, haben wir diese Solidaritätskampagne in der Kirche in Peru fortgeschrieben: "Miteinander teilen" – es war eine Kampagne, die ganz besonders den Inhaftierten gewidmet war und die uns reich beschenkt hat.
Die Option für die Armen und die Herausforderung einer Menschenrechtspastoral
Wir würden sehr gerne unterstreichen, dass wir all diese kirchlichen Anstrengungen als Teil der evangelisierenden Mission unserer Kirche verstehen, die im Angesicht des 3. Jahrtausends von neuem auf die Welt der Armen schaut, die wegen des ökonomischen und sozialen Systems unserer Gesellschaften und Staaten immer mehr ausgeschlossen werden. Im Hungernden, Nackten, Kranken, Inhaftierten, im Kind und im alten Menschen, der ausgeschlossen und verletzt wird durch Hunger und all seine sozialen Konsequenzen: überall dort spricht uns Christus auch heute an und drängt uns zur Hilfe.
Das Evangelium zu verkünden gerade in dieser Welt der Armen und Ausgestoßenen, wie es damals Galiläa zu der Zeit Jesu war, erleuchtet uns und gibt uns neue Kraft im Dienst einer ganzheitlichen Menschenrechtspastoral, deren zentrale Botschaft Jesus selbst ist, der gekommen ist, damit wir das Leben haben und es in Fülle haben, und zwar alle Menschen und in ganz besonderer Weise die Armen und Ausgeschlossenen.
Die Menschenrechte sind nicht nur universal, unveräußerlich und unverletzbar, sondern sie stehen auch in einem gegenseitigen Wechselverhältnis. Und deswegen macht uns der Kontext der Armut und der zunehmenden Verarmung in unserem Land und generell auf der Erde immer mehr zu schaffen. In seiner Friedensbotschaft im Jahr 1999 erinnerte uns Johannes Paul II. an die "Gewalt der Armut und des Hungers, die so viele menschliche Wesen in Mitleidenschaft zieht". Die Armut, wie man sie in unseren Ländern beobachten kann, ist in der Tat ein schweres Hindernis in der Ausübung der Menschenrechte. Das menschliche Leben wird sehr zerbrechlich, weil es keine Möglichkeit gibt es zu schützen. Vivianne Forester schildert uns in ihrem Buch "Der ökonomische Schrecken" das grausame Panorama des derzeitig in der Welt vorherrschenden ökonomischen Systems. Sie macht uns darauf aufmerksam, dass die aktuelle Tragödie nicht mehr so sehr darin besteht, dass wir vom Kapital ausgebeutet werden, sondern dass eine große Zahl von Arbeiterinnen und Arbeiter, gerade weil sie vom System ausgeschlossen werden, überhaupt nicht mehr dazu taugen, weiter ausgebeutet zu werden.
Angesichts dieser Situation wächst jeden Tag die Zahl von Personen und Institutionen, die uns mit Ernsthaftigkeit und Verantwortungsbewusstsein auf die Gefahren und die tödlichen Tendenzen des neoliberalen Weltwirtschaftssystems aufmerksam machen. Internationale Organisationen, Kirchen, Universitäten veröffentlichen ungeschminkte Informationen über die Auswirkungen des derzeitigen Entwicklungsmodells. Schon im Jahr 1992 veröffentlichte das Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (PNUD) seinen Bericht über die Menschheitsentwicklung und wies darauf hin, dass die 20 % der reichsten Menschen insgesamt 82,7 % des gesamten Welteinkommens auf sich vereinnahmen und ungefähr 70 % natürlichen Ressourcen der gesamten Erde verbrauchen. Wenn nur weitere 20 % der Weltbevölkerung das verbrauchen würde, was eben diese reichsten Menschen verbrauchen, würde die Erde in kürzester Zeit an ihr Ende kommen. Unter denen, die immer noch ein menschliches und christliches Gewissen haben, besteht Konsens über zwei grundsätzliche strukturelle Fehler im aktuellen System: nämlich der Ausschluss von Menschen und die Zerstörung der Natur. Es ist überdeutlich, dass das gegenwärtige Entwicklungsmodell nicht allen zugute kommt. Einige geißeln dies mit Schrecken und andere stellen diese Tatsache mit Zynismus fest. 60 % der Weltbevölkerung seien dazu bestimmt, in einer unwiederbringlichen Weise ausgeschlossen zu sein. Von der Ausbeutung sind wir übergewechselt zum Ausschluss, und sehr leicht werden wir möglicherweise zur Auslöschung weiterschreiten, denn die Ausgeschlossenen werden lediglich als überflüssig und deswegen auch als verzichtbar angesehen.
In diesem Jubiläumsjahr, einer Zeit, die in ganz besonderer Weise Gott geweiht ist, und die zugleich eine Zeit der Gerechtigkeit und des Erbarmens sein soll, müssen wir eine ganz besondere Anstrengung machen für den Schrei der Armen und den Schrei der Erde, die durch Gewinnsucht verwüstet wird; dass dieser Schrei gehört wird und dass wir immer mehr dazu in der Lage sind, als Christen und Menschen guten Willens eine prophetische Stimme zu erheben mit dem Hinweis, dass nicht alles was möglich ist auch wirklich erlaubt ist. All unsere Anstrengungen zusammenlegen in einer solidarischen Welt, in der jedes menschliche Wesen ganz einfach deswegen geachtet wird, weil es ein menschliches Wesen ist, das wird den Planeten in einen schönen Ort verwandeln, wo wir alle als Männer und Frauen leben können. Die Kirche muss auch weiterhin der "barmherzige Samariter" sein, der sich aus seiner innersten Mitte heraus im Mitleid seinem verletzten Bruder zuwendet. Die Sünde des Leviten und des Priesters, die vorbei gingen ohne etwas zu tun, vielleicht um ihre religiösen Pflichten zu erfüllen, bestand ja nicht darin, dass sie keinen Schaden angerichtet hatten. Sie waren ja nicht verantwortlich für die Wunden des im Staub liegenden Bruders. Ihre Sünde war die der Unterlassung, war, dass sie kein Mitleid in ihrem Inneren empfunden haben. Vielleicht könnte dies die schwerste Sünde der reichen Welt gegenüber der Welt der Armen sein.
Schlussfolgerung
Manchmal frage ich mich, was wohl unsere Augen sehen oder was unsere Ohren hören, was unsere Herzen fühlen müssten, damit die Menschenrechte das Paradigma wären, an dem sich unsere Gesellschaften orientieren würden. Ich glaube, dass dies die Aufgabe der gegenwärtigen Stunde ist. Im Kontext des Jubiläumsjahres müssen wir alle unsere Kräfte bündeln und gegen den Strom schwimmen in einer Welt, die an den Werten des Evangeliums, des Lebens, der Liebe, der Gerechtigkeit und des Erbarmens Gottes vorbeilebt. Die Menschenrechtspastoral ist dieser Bemühung verpflichtet, für eine Welt zu arbeiten, in der das Leben in Menschlichkeit möglich ist.
Bibliografie:
Pablo Richard, "Jetzt ist die Zeit, ein Jubiläum zu verkünden"
Bericht des Entwicklungsprogramms der Vereinten Nationen, 1998, 1999
Menschenrechte; Tagungsergebnisse des erstes Treffens von Lateinamerika und der Karibik
Erziehung zu Menschenrechten, Tagungsergebnisse des zweiten Treffens von Lateinamerika und der Karibik
Tony Mifsud S.J., Ethik der Menschenrechte. - Drittes Treffen von Lateinamerika und der Karibik
(Übersetzung Domkapitular Wolfgang Sauer)
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