Christel Ruppert: Wurzeln und Entwicklung des Menschenrechtsfonds
Sehr geehrter Herr Erzbischof,
estimado Monseñor Sebastian Ramis Torrens,
querida Laura Vargas, querido Padre Mateo,
meine Damen und Herren,
verehrte Gäste,
am 23. Februar 1986 wurde bei dem Besuch des unvergessenen Kardinal Landázuri Ricketts in Freiburg unsere Partnerschaft mit der Kirche von Peru "besiegelt". Das Motto lautete damals: "Wege suchen – Brücken schlagen – Hoffnung schenken". Heute – 14 Jahre später – können wir dankbar sagen: Wir haben Wege zueinander gefunden, es wurden viele Brücken persönlicher Begegnungen geschlagen und wir wurden reich beschenkt mit dem Mut und der Kraft, die uns in den Schwestern und Brüdern aus Peru begegnet, wir wurden beschenkt durch das Wissen umeinander, das Gefühl der Verbundenheit und das Mittragen der wechselseitigen Sorgen und Freuden. Wenn wir heute hier zusammenkommen ist der Anlass eine "Frucht" dieser Partnerschaft: das 10jährige Bestehen des Solidaritätsfonds Menschenrechte, des "Wolfgang-Zwingmann-Fonds".
1. Die Gründung des Fonds
Unser Erzbischof hat bereits darauf hingewiesen, dass der eigentliche Ideengeber, der geistige Vater des Fonds Prälat Dr. Wolfgang Zwingmann war. Er war damals Mitglied im Ausschuss "Mission - Entwicklung - Frieden" des Diözesanrates der Katholiken. Dieser Ausschuss war es, in dem einige Jahre vorher zum ersten Mal der Gedanke aufgekommen war, statt der bestehenden Patenschaft eine wirkliche Partnerschaft anzustreben. Nun nutzte Prälat Dr. Zwingmann den Ausschuss und mit ihm die Vollversammlung des Diözesanrates, um seinen Gedanken von einem Solidaritätsfonds Fuß fassen zu lassen und ihm Gestalt zu geben.
Durch die noch junge Partnerschaft war in unserer Erzdiözese eine besondere Sensibilität für die Situation der Menschen in Peru gewachsen. Am 3. Oktober 1988 hatte die Vollversammlung des Diözesanrates Menschenrechtsverletzungen des "Sendero Luminoso" und des Militärs zum Anlass genommen, gegen dieses sinnlose Morden Stellung zu beziehen. Im Jahre 1990 dann fand eine Tagung der Katholischen Akademie zur Situation der Menschenrechte statt. So war der Boden bereitet und es war nur konsequent, dass die Vollversammlung des Diözesanrates in der konstituierenden Sitzung ihrer neuen Amtsperiode und sozusagen als erste "Amtshandlung" am 22. September 1990 nach einer eingehenden Stellungnahme Wolfgang Zwingmanns die Bildung des "Solidaritätsfonds Menschenrechte" beschloss.
Zwei Blickrichtungen wurden für den Fonds formuliert:
Zum einen sollte seine Existenz und Notwendigkeit bei uns bewusstseinsbildend wirken und die Lage der Menschenrechte in Peru aufzeigen.
Zum anderen sollten natürlich Opfer von Menschenrechtsverletzungen in akuten Notsituationen konkret Hilfe und finanzielle Unterstützung erfahren; besonders waren Opfer politischer Gewalt durch staatliche Übergriffe im Blickfeld.
Mit CEAS, der Sozialen Kommission der Peruanischen Bischofskonferenz stand der notwendige und kompetente Partner zur Verfügung und mit Laura Vargas und Padre Mateo Garr engagierte und kundige Akteure in diesem schwierigen Feld.
Die Trägerschaft des neuen Fonds lag - und liegt - beim Diözesanrat der Katholiken, der in Verbindung mit dem Referat Weltkirchliche Aufgaben auch in der Verantwortung stand für Aufbau und Pflege von Kontakten zur Partnerorganisation in Peru und für die Informations- und Öffentlichkeitsarbeit in der Diözese Freiburg.
2. Vom "Solidaritätsfonds Menschenrechte" zum "Wolfgang-Zwingmann-Fonds"
Es war Domkapitular Dr. Wolfgang Zwingmann, der die verschiedenen Überlegungen im Vorstand des Diözesanrates der Katholiken und in seinem Ausschuss "Mission - Entwicklung - Frieden" für eine Partnerschaft seit 1980 aufgegriffen und im Dezember 1984 mitgeholfen hat, dass der Stein des Partnerschaftsgedankens ins Rollen kam. Wolfgang Zwingmann war es, der von Anfang an die anhaltenden Folgen durch Ausbeutung, Unterdrückung und Besserwisserei aufzeigte, der die verbreiterte Kluft zwischen arm und reich beim Namen nannte und als Aufgabe der Kirche formulierte "prophetische Ruferin zur Umkehr zu sein".
Ein solcher prophetischer Rufer zur Umkehr wurde Wolfgang Zwingmann selbst. Ende 1992 beschloss der Diözesanrat der Katholiken, den "Solidaritätsfonds Menschenrechte in Peru" in "Wolfgang-Zwingmann-Fonds" umzubenennen und auf diese Weise das große Engagement Wolfgang Zwingmanns zu würdigen. Mag dies auch ein eher äußerliches Zeichen scheinen - diejenigen unter uns, die Wolfgang Zwingmann persönlich erleben durften, werden so immer wieder an seine mit sanfter Stimme und mit einladender Freundlichkeit vorgetragenen Darlegungen erinnert, die so sehr sein leidenschaftliches inneres Engagement offenbarten, und sie werden aufgefordert, in dieser Spur den Weg der Partnerschaft weiterzugehen.
3. Die weitere Entwicklung des Fonds
Auch wenn terroristische Aktivitäten des "Sendereo Luminoso" weitgehend ein Ende gefunden haben, ist politische Gewalt weiterhin in unserem Partnerland anzutreffen. Immer wieder kann man auch der Presse bei uns in Deutschland entsprechende Meldungen entnehmen, deutlicher und informativer ist der Bericht von CEAS aus dem vergangenen Jahr - Frau Vargas wird uns davon berichten.
So war es gelegentlich angebracht, die Akzentsetzung des Fonds in gegenseitiger Absprache den fortgeschrittenen Gegebenheiten anzupassen, bspw. zuletzt mit der Unterstützung der Gefängnispastoral, der Hilfe für unschuldig Inhaftierte und ihre Familien. Die Voraussetzungen für das Grundanliegen des Fonds bleiben aber leider noch bestehen, die ursprüngliche Zielsetzung not-wendig.
Weil die Förderung der Menschenrechte eine Forderung des Evangeliums ist, wie Papst Paul VI. gesagt hat, werden wir mit dieser Herausforderung nicht an ein Ende kommen. So ist dieser Tag heute, an dem wir trotz allem dankbar auf 10 Jahre zurückblicken, lediglich eine Station auf dem Weg unserer Partnerschaft.
Es ist kein Zufall, dass heute Nachmittag Christian Roos mit seinen musikalischen Beiträgen diese Stunde bereichert. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens der Partnerschaft 1996 hat er die Goldberg-Variationen von Ludwig van Beethoven eingespielt und den Erlös dieser CD dem Wolfgang-Zwingmann-Fonds zur Verfügung gestellt. Von solchen größeren und den vielen kleinen Spenden, wenn z. B. Mitglieder des Diözesanrates oder Diözesanpastoralrates ihre Fahrtkosten regelmäßig dem Fonds zur Verfügung stellen, lebt der Fonds, lebt das innere und äußere Engagement für die Menschenrechte. So will ich in dieser Stunde allen danken, die die Unterstützung der Arbeit von CEAS ermöglicht haben und denen dieser solidarische Einsatz ein Herzensanliegen ist.
Ich wünsche und hoffe, dass wir in diesem Engagement nicht nachlassen, solange die Bedrohung der Menschenrechte es verlangt.
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