Besuche und Begegnungen in der Partnerschaft Peru - Freiburg 
Ergebnis und Interpretation einer Umfrage
Im Jahr 2001 wurde in Peru in allen Partnergemeinden eine Umfrage durchgeführt, bei der es um Erfahrungen ging, die bei Besuch und Begegnung mit deutschen Partnern gemacht wurden. An der Umfrage haben sich 59 Pfarrgemeinden aus 22 Jurisdiktionen (Prälaturen, Diözesen, Erzdiözesen) sowie ein Verband beteiligt.
Besuche stellen ein zentrales Element von partnerschaftlichen Verbindungen dar: erst in direkter Begegnung werden Kontakte lebendig, Freundschaft und gegenseitiges Vertrauen wachsen entscheidend. Die Ergebnisse der Umfrage belegen dies.


Begegnung eröffnet eine neuen Blick für den Partner
Vor der unmittelbaren Besuchserfahrung wurde angenommen, die Deutschen seien berechnend, kühl, rassistisch, wenig gefühlsbetont und wenig kommunikativ. Durch die Begegnung änderte sich diese Sichtweise; folgende Eigenschaften wurden dann betont: verantwortungsvoll, pünktlich, ehrlich, ordentlich, diszipliniert, gut organisiert, respektvoll. Es lässt sich so deutlich erkennen, dass viele Vorurteile dank der Besuche abgebaut werden konnten.
Besuch der Partnergemeinde in Deutschland
Eine gute Delegation auswählen
Die Benennung der peruanischen Besuchsdelegation brachte oftmals Kopfzerbrechen mit sich. Unter den Nichtausgewählten konnte Neid und Eifersucht entstehen. - Viele gaben jedoch an, dass es bei der Zusammensetzung der Delegation keinerlei Schwierigkeiten gab. Mehrere Gruppen wurden durch den Pfarreirat bestimmt, andere vom Pfarrer. In einigen Fällen nahm die deutsche Seite Einfluss auf die Auswahl der Reisenden. In einzelnen Fällen war eine Entscheidung so schwierig, dass unter den vorgeschlagenen Personen ein Losentscheid vorgenommen wurde. - Bei der Auswahl der Teilnehmer wurden z.B. folgende Kriterien angewandt:
 | Es muss eine bekannte, verantwortungsvolle und in der Pfarrei aktive Person sein.
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 | Jede Gruppe der Pfarrei schlägt dem Pfarreirat eine Person vor, die von Anfang an mit der Pfarrei und der Partnerschaft identifiziert ist und sich in beiden Bereichen engagiert zeigt.
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 | Die Reisegruppe muss sich untereinander verstehen.
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 | Es sollen Jugendliche und Erwachsene beiderlei Geschlechts sein. |
Vorbereitung auf den Besuch
Die größte Sorge vor der Reise nach Deutschland bestand in den begrenzten sprachlichen Möglichkeiten, der großen Herausforderung für alle partnerschaftlichen Kontakte. Es wurden Informationen über die eigenen Pfarrei gesammelt, typische Geschenke besorgt, einige lernten deutsche Ausdrücke, um sich besser verständigen zu können und informierten sich über politische und kirchliche Themen. - Rückblickend betrachtet, würden sich die meisten nach Kräften um die deutsche Sprache bemühen. Einige würden sich besser vorbereiten durch einen Bericht über die Struktur der Pfarrei, über Aktivitäten in der Pfarrgemeinde und über die Lebensrealität der Menschen.
Überraschungen für die Besucher aus Peru
Die Offenheit und Herzlichkeit der Deutschen hat die meisten Besucher aus Peru überrascht, ebenso das große Interesse an ihnen und die liebenswürdige Betreuung, die sie erfahren haben. Eine große menschliche Reife wurde bei den Gastgebern festgestellt. Großen Eindruck hat auch die Gabe des Planens und Organisierens hinterlassen.
Als wesentliche Unterschiede gegenüber den peruanischen Pfarrgemeinden wurden benannt: Die geringe Teilnahme von Jugendlichen und Kindern am Leben der Pfarrgemeinde, die Pünktlichkeit bei den Gottesdiensten und dass es in Peru eine größere Spontaneität gibt.
Besuch in der Partnergemeinde in Peru
Hoffnungen und Sorgen
Im Mittelpunkt der Erwartung auf Seiten der peruanischen Gastgeber stand die Hoffnung, die Partnerschaft ausbauen und vertiefen zu können. Viele wollten Freundschaften knüpfen, sich über Kultur und Ideen austauschen. Wichtig war auch, den Gästen ihren Lebensstil zu zeigen.
Die größte Sorge der Peruaner bestand darin, den Gästen aus Deutschland nichts bieten zu können, z.B. keine ansprechende Unterkunft. Nach der Besuchserfahrung stand jedoch fest, dass sich die Gäste rundum sehr wohl gefühlt haben.
Werte und Lebensrealität nahe bringen
Freundschaft, Herzlichkeit und Offenheit, Beharrlichkeit / Ausdauer, Dankbarkeit und Spontaneität konnten den Besuchern aus Deutschland vermittelt werden. Die Gäste gewannen zudem einen Eindruck von der Lebensrealität, auch unter schwierigen Umständen, z.B. von der Not, unter der Familien in Peru leiden.
Veränderungen nach der Begegnung
Nach den Besuchen verbesserte sich die Kommunikation, das Engagement der Partnerschaftsengagierten nahm zu, und die Verbindung festigte sich insgesamt. Andererseits wurde rückgemeldet, dass es nur wenigen Delegierten gelang, ihre Besuchserfahrungen in kreativer Weise weiter zu vermitteln.
Die Delegierten, die in Deutschland zu Besuch waren, verpflichteten sich zu einer stärkeren Mitarbeit in der Pfarrgemeinde und waren bereit, größere Verantwortung in ihren Aufgaben zu übernehmen. Ebenso wurde eine größere Regelmäßigkeit in der Kommunikation genannt. Viele versprachen, die Partnerschaft zu stärken.
Jürgen Huber, Partnerschaftsbüro Peru-Freiburg, Mai 2003, Lima - Peru
Übersetzung & Zusammenfassung: Thomas Belke, Abt. Weltkirche, Freiburg
